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Gedenktage
Heute ist der 13. August. Vor fünfzig also am 13.8.1961 wurde die Mauer gebaut. Sie trennte Ost- von Westberlin und bildete die unüberwindliche Grenze zwischen
Ost- und Westdeutschland, gesichert durch Todesstreifen, Soldaten, Wachtürme und Hundestaffeln.
Ich bin mit der Mauer aufgewachsen, mit weißen Flecken auf der Landkarte östlich von Braunschweig. Ich erinnere mich an die Autofahrten auf der Transitstrecke, die Kontrollen, bevor man die Grenze nach Osten überschritt. Immer war da Unsicherheit, immer die Sorge: erregt etwas die Aufmerksamkeit der Grenzsoldaten? Müssen wir anhalten? Bekommen wir unsere Pässe zurück? Und dann die Erleichterung, in West-Berlin angekommen zu sein. Und gleichzeitig dieses Gefühl, eine Insel betreten zu haben, die rundherum von einer Mauer begrenzt wurde.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Mauer je fallen würde.
Und trotzdem ist es passiert. Am 9. November 1989 durften Ostberliner durchs Brandenburger Tor nach Westen laufen und fahren und Westberliner in die entgegen gesetzte Richtung. Niemand kontrollierte Pässe. Die Grenzsoldaten staunten. Viele, die das miterlebten oder nur davon hören oder Bilder sahen, weinten.
Das Brandenburger Tor offen. Ostdeutsche durften reisen. Was früher zusammen gehörte, sollte wieder zusammenwachsen.
Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen heißt es im Psalm 18. Gott ist so mächtig, dass Menschen, die von anderen erniedrigt und gedemütigt wurden, sich wieder aufrichten und Hoffnung schöpfen. Ähnlich haben auch die jubeln können, die am 9. November 1989 und an den Tagen danach auf der ehemals gefürchteten Mauer tanzten und Mauersteine herausschlugen. Zur Erinnerung an etwas, das viele für unüberwindbar gehalten haben. Heute steht fest, die DDR war damals bankrott. Daneben aber bleibt wahr: der Glaube an Gott hat die Mauer mit überwunden.
Der Glaube an Gott hatte Christen und Christinnen in der DDR bewegt, Kirche im Sozialismus zu sein. Der Glaube an Gott hatte Pfarrer und Pfarrerinnen veranlasst, friedensbewegte Menschen in der DDR in ihre Kirchen kommen zu lassen, Gottesdienste zu feiern, Umweltbibliotheken zu beherbergen und jeden Montag zu beten. Der Glaube an Gott hatte die Führungsgestalten dieser Bewegung dazu bewogen, auf die Kraft von Kerzen zu setzen. So wurde Gewalt verhindert während der Montagsdemonstrationen in Leipzig, Dresden, Chemnitz und an anderen Orten.
Der 13. August bleibt ein wichtiger Gedenktag. Er erinnert daran, dass Menschen Mauern bauen. Dass diese Mauern tödlich sind, dass sie Menschen von einander und von Gott trennen. Er erinnert aber auch daran, dass von Menschen gebaute Mauern nicht ewig stehen. Dass aber Gott sie für uns zum Stein des Anstoßes werden lässt und uns so Mut macht, Wege zu finden, Mauern zu überwinden. Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen, nicht nur über solche aus Stein, auch über unsichtbare: Mauern zwischen Armen und Reichen, Deutschen und Migranten, Gläubigen und Ungläubigen. Aufgerichtet werden sie aus Scham, Angst, Wut und Hilflosigkeit. Aber wie schon gesagt: auch über diese Mauern können wir mit Gottes Hilfe springen.
Gedenktage
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