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"Das ist nicht mein Tag"
Das ist nicht mein Tag heute stöhnt die junge Frau, die neben mir an der Fleischtheke steht. Ich weiß warum, habe ich sie doch beim Warten beobachten können.
Das Rindergulasch, das auf ihrer Einkaufsliste steht, ist gerade ausverkauft. Ihr Blick fällt auf die Minutensteaks in der Auslage, sie überlegt noch da bestellt die Frau neben ihr genau diese vier Steaks bei der anderen Verkäuferin. Nochmal muss sie überlegen. Entnervt kauft sie etwas anderes. Zweimal hat sie nicht bekommen, was sie wollte. So entschlüpft ihr der Seufzer: Das ist nicht mein Tag!
Solche Tag kennen Sie wahrscheinlich auch, lieber Hörer, liebe Hörerin. Nacheinander geht einiges schief, und bald denkt man: Hoffentlich ist dieser Tag bald vorüber. Schwierig ist es dann meist nicht nur beim Einkaufen. Am Arbeitsplatz wird mir schwer, was ich sonst mit Links erledige; beim Tischdecken fällt das Besteck auf den Boden und die schon volle Kaffeetasse um; eine Bemerkung, die ich humorvoll gemeint habe, kommt bei meinen Kindern tadelnd rüber, mit meinem Mann gerate ich über irgendetwas Unwichtiges in Streit. Ich bin frustriert, andere ärgern sich über mich, ein böses Wort ergibt das nächste es ist wie ein Teufelskreis, aus dem ich meine, nicht herauszukommen.
Siehe, ich bin bei euch alle Tage hat Jesus gesagt. Auch an Tagen, die nicht mein Tag sind. An denen ich mich am liebsten schon nach dem Frühstück wieder ins Bett legen möchte, mich zusammenrollen wie ein Kind, unter der Decke verkriechen, nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Kann Jesus so einen Tag retten?
Mich aus dem Teufelskreis von Ärger, Verletzung, Missverständnissen herausholen, der Frau an der Fleischtheke den Frust nehmen und wieder Lust auf diesen Tag in ihr wecken?
Die Frau an der Fleischtheke. Da steht sie - mit hängenden Schultern. Sie bezahlt ihr Fleisch. Ihr Kopf macht schon wieder eine Bewegung nach unten. Da fällt ihr Blick auf die gläserne Theke: sie sieht ihr Spiegelbild: bin ich das? So krumm, so gebeugt? Sie hört die Stimme der Verkäuferin: Willst du ein Stück Fleischwurst? Und blickt wieder nach oben. Sie ist nicht gemeint, aber das Kind neben ihr, das auf der Schulter seines Vaters thront und guckt. Auf die Wurst, die da so liebevoll aufgereiht liegt, auf die Petersilien- und Tomatendekoration. Den Schinken, die Salate
.Alles saugt es auf mit seinen Blick. Als sähe es all das zum ersten Mal. Mit dem einen Arm hält es sich fest am Kopf seines Vaters. Den anderen streckt es der Verkäuferin entgegen. Sein Mund öffnet sich. Ja, die Wurst will es wohl haben. Die Verkäuferin reicht sie ihm, und das Händchen greift zu, hebt die Wurstscheibe zum Mund und beißt rein. Lecker denkt die Frau, die eben noch mit hängenden Schultern da stand. Das Wasser läuft ihr im Mund zusammen. Rindergulasch und Minutensteaks hat sie vergessen. Ihre Enttäuschung ist wie weggeblasen. Guten Appetit ruft sie dem Kind zu, lächelt den Vater an. Mit erhobenen Kopf und offenen Augen geht sie weiter und setzt ihren Einkauf fort.
Es sind die kleinen Geste und die freundlichen Worte der anderen, in denen Jesus mir begegnet und meinem Tag rettet. Zu sehen und zu hören, dass andere diesen Tag annehmen und sich staunend beschenken lassen, das kann helfen, wieder Lust zu bekommen, sich aufzurichten und dem Rest des Tages zuzurufen: Ich bin bereit.
Ich glaube, dazu hat Gott uns so viele Sinnesorgane geschenkt: Augen, Nase, Ohren und Hände, damit wir nicht verpassen, dass da jemand unseren Tag retten kann.
"Das ist nicht mein Tag"
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