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Die Riester-Bombe
Zufällig und unbeabsichtigt ist ein deutscher Journalist ins Waffengeschäft eingestiegen.
Wolfgang Uchatius schloss bei einer ganz normalen Versicherung einen Vertrag über eine private Riester-Altersrente ab. Und dann stellte er später fest, dass mit dem Geld Streubomben gebaut werden.
Streubomben sind strenggenommen keine Bomben. Sie transportieren und verteilen bis zu 40 kleine Sprengkörper, Bombletten genannt. Häufig bleiben rund ein Drittel dieser Bobletten als Blindgänger zurück und gefährden weltweit vor allem Zivilisten. Die Explosion einer Bomblette ist heftig genug, einen Menschen schwer zu verstümmeln oder zu töten.
Es ist verboten, Streubomben einzusetzen. Es ist verboten, sie weiterhin zu lagern. Es ist verboten, sie herzustellen oder ihre Herstellung zu unterstützen. So steht es heute in den Paragrafen der internationalen Streubomben-Konvention, die Deutschland 2008 unterschrieben hat.
Die meisten von uns sind gegen Bomben, Kinderarbeit und Tierquälerei, geben aber trotzdem genau dafür ihr Geld aus: weil es uns nicht kümmert, wie die Dinge entstehen, die wir jeden Tag kaufen. Weil wir nur das schön aussehende, von der Werbung angestrahlte Endprodukt vor Augen haben: das T-Shirt, den Teppich, das Steak und die Rente.
Eine Riester-Rente ist auch ein Produkt. Es ist eine Art Automat. Oben wirft man viel Geld hinein, damit unten einmal noch mehr Geld herauskommt. Was man nicht sieht, ist das, was in dem Automaten passiert. Was geschieht mit dem Geld? Wie wird es investiert, bevor es am Ende ausbezahlt wird?
Uchatius fand heraus, dass sein Versicherungsunternehmen das Geld unter anderem in einen amerikanischen Aktienfond investiert, der neben Harley Davidsson und Xerox auch Aktien des Mischkonzerns Textron enthält. Textron stellt Golfmobile, Propellerflugzeuge und Rollstühle her. Und Streubomben. Mit umgerechnet 15 Millionen Euro ist Uchatius Versicherung an Aktien von Textron beteiligt. Ihm wurde klar: Auch sein Geld ist in diese Aktien geflossen.
Es gibt in Deutschland 14 Millionen Riester-Verträge. Bei mehr als einem Dutzend Versicherungen flossen die Rentenbeiträge in Bombenaktien. Und die Zuschüsse des deutschen Staates gleich mit. Es ist ein Riesengeschäft.
Die Bundesregierung betrachtet Investitionen in Unternehmen, die Streubomben herstellen, nicht als Verstoß gegen den Vertrag zur Ächtung dieser Waffenart. Man kauft ja nur Aktien, keine Waffen.
Wolfgang Uchatius sieht das anders. Er hat seinen Riester Vertrag inzwischen gekündigt. Er möchte keine gute Rente kassieren, weil ein Unternehmen rund um die Welt geächtete Waffen verkauft.
Ihr könnt nicht zwei Herren dienen Gott und dem Mammon, sagt Jesus. Wissen Sie, wo ihr Geld investiert wird? Vielleicht fragen sie mal bei Ihrer Versicherung nach. Und vielleicht investieren Sie in Zukunft auch lieber in ethische Geldanlagen, statt bei dem Bombengeschäft weiter mitzumachen.
Quelle: Die Zeit Nr 21, 19.5.2011; Dossier S.15 Online nachzulesen unter: http://www.zeit.de/2011/21/DOS-Streubomben
Die Riester-Bombe
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