Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.08.11, Ralf Jupe

Augentier und Vorurteil

In den meisten Blockbustern ist es einfach. Der gutaussehende Typ ist der Held. Seine Gegenspieler - zwielichtige Gestalten, pockennarbig mit verschlagenem Blick.

Auf diesen Vorurteile baut die ganze Filmhandlung auf.

Im wirklichen Leben sind solche Vorurteile gefährlich, denn sie führen schnell zu Fehlurteilen. Das zeigt ein kleines Experiment:

Die Versuchskaninchen: Jurastudenten am Anfang ihres Studiums. Der Hörsaal ist brechend voll. Es werden 12 Personen vorgeführt. Unter diesen befinden sich der Polizeipräsident, der Kanzler der Uni, der  Pressesprecher, ein bekannter Rechtsanwalt, aber auch einige Straftäter.

Die Studierenden sollten herausfinden: Wer hat welchen Beruf? Wer ist wohl ein Straftäter? Ergebnis: Eindeutige Fehlanzeigen.  Die Straftäter waren eben nicht aufgrund von Äußerlichkeiten erkennbar.

Ein Experiment, welches die Studenten nicht so schnell vergessen werden. Bleibt zu hoffen, dass sie sich daran erinnern, wenn sie selbst mal  Richterin, Staatsanwalt oder Rechtsanwältin sind. Von den Äußerlichkeiten eines Menschen darf man sich nicht zu 100 prozentigen Urteilen verleiten lassen . Im Gegenteil, wenn ich das Gefühl habe, ein Vorurteil zu haben, sollte ich ganz besonders vorsichtig mit dem Sachverhalt umgehen. Die Warnung, dass ich ein fehlerhaften Augentier bin, steht schon in meiner Bibel: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott  aber sieht das Herz an.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Augentier und Vorurteil


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