Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.07.11, Bettina von Clausewitz

Woran Promis glauben: Christine Bergmann

O-Ton: Mein Lieblingspsalm ist der 23.: „Der Herr ist mein Hirte.“ Das ist so dieses schöne Bild: Du bist nicht allein, du wirst auch geführt ein Stück,

du bist deswegen nicht klein oder ohne Kraft, aber es gibt einen Weg. Und dieses schöne Wort: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.....“, das finde ich so tröstlich.            

Autorin: Christine Bergmann kennt sich aus mit finsteren Tälern, auch wenn man es ihr nicht unbedingt ansieht: Lila Lederjacke, schwarze Jeans und kurzer Blondschopf, so absolviert die 71-jährige SPD-Politikerin ihre vielen Termine -  etwa als Präsidiumsmitglied beim Evangelischen Kirchentag. Aber wenn sie von ihren Erfahrungen in der Demokratiebewegung der DDR erzählt oder – aktuell - von ihrer Entscheidung, den Job als Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung anzunehmen, dann wird erkennbar, warum ihr der „gute Hirte“ so viel bedeutet.         

O-Ton:  Es war auch wieder so ’ne Entscheidung, wo ich dann dachte: Es ist jetzt  seine Aufgabe. Ob man das jetzt immer Fügung nennen sollte? Meine Tochter sagt  immer: Das ist dein preußisches Pflichtgefühl (lacht). Aber es war eigentlich auch  richtig, ich habe es keine Minute bereut. Obwohl es manchmal so ist, dass man  es  nicht los wird, und manche Bilder oder Geschichten werde ich wohl nie los  werden .... 
  
Autorin: 2000 Briefe, 13.000 Anrufe, seit März 2010 haben sich Christine Bergmann und ihr Team mit tausenden von Schicksalen missbrauchter Kinder beschäftigt, sie hat erschütternde Briefe gelesen, grausige Videos angesehen und an der Hotline gesessen.           

O-Ton: Ich glaube an den gütigen Gott, aber da habe ich schon auch meine Probleme. Ja, ich hab’ auch schon geweint, das ist klar, aber ich versuch’s immer hinterher. Oder mit meinen Mitarbeiterinnen. Da sind auch schon viele Tränen geflossen.... 

Autorin: ... erzählt die Politikerin und man spürt diese Tränen noch in ihrer Stimme, die  Betroffenheit und den Zweifel an Gottes Gerechtigkeit. Im Abschlussbericht der ehemaligen Bundesfamilienministerin steht es schwarz auf weiß: Die Kirchen zählen zu den Haupttätern. Viele Missbrauchsfälle geschahen in ihren Einrichtungen, durch Priester und andere Hauptamtliche. Warum lässt Gott das zu? Christine Bergmann teilt diese Frage mit vielen anderen Christen:                       

O-Ton: Das lässt mich nicht los und das Nicht-Loslassen ist natürlich auch die Frage: Wieso? Wieso werden vier-, fünf-, sechsjährige Kinder bitter missbraucht  - sie waren richtig Opfer. Ich hab’ so schreckliche Bilder gesehen, auch kinderpornografische - damit bin ich nicht fertig! da habe ich keine Antwort drauf! Mir hilft dabei eigentlich nur, dass ich sage: Deine Aufgabe ist jetzt zu gucken, wie kannst du jetzt helfen, dass die Betroffenen jetzt mehr Hilfen kriegen...                

Autorin: ... und dass ihre Botschaft gehört wird: Sorgt dafür, dass Kinder heute nicht dasselbe Schicksal erleiden wie wir damals!  Für Christine Bergmann selbst ist die Erfahrung mit Kirche in der DDR-Zeit positiv prägend bis heute. Die Gemeinschaft und das demokratische Rüstzeug – wie sie es nennt -  in ihrer Zeit in der Leipziger Studentengemeinde und später in der Gethsemanekirche in Berlin. Sie selbst allerdings kommt nicht aus einer christlichen Familie. „Der Herr ist mein Hirte“, darauf verlässt sie sich und versucht andere mitzunehmen auf den Weg:             

O-Ton: Kirche ist Kirche in der Welt!  - weil es für mich so wichtig war, möchte ich diese Erfahrung weitergeben und erwarte das auch von meiner Kirche, dass sie sich auch politisch äußert, dass Christen sich nicht vornehm zurück halten und sagen: In der Politik hat man eh nur Ärger – ne, Ihr Lieben, da muss man schon dabei sein, da muss man schon mitmachen!

Audiobeitrag Woran Promis glauben: Christine Bergmann


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