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Der perfekte Moment
Kaum ist die Tür des Sitzungszimmers ins Schloss gefallen, entweicht ihm ein gedämpfter Jubelschrei! Geschafft! Den Auftrag hat er sicher.
Er kann sein Glück noch gar nicht fassen. Und während die Tinte, mit der die Unterschrift auf dem Vertrag getätigt wurde, noch trocknet, lehnt er sich zurück und blickt zufrieden aus dem Fenster. Der perfekte Moment! Er hat sein Ziel nie aus den Augen verloren, auch wenn es zwischendurch hoffnungslos schien! Dieser Auftrag sichert seiner Firma die nächsten drei Jahre. --- Szenenwechsel ---
Die Luft ist stickig und es riecht etwas streng, aber das ist allen Beteiligten egal. Die Umkleidekabine des hiesigen Fußballvereins ist sowieso längst zur Partymeile umfunktioniert worden. Die Mannschaft steht geschlossen auf den Bänken und brüllt: Wir haben es geschafft! Obwohl es zwischenzeitlich ziemlich knapp aussah, haben sie den Aufstieg perfekt gemacht! Sie haben nicht aufgegeben und sind am Ende belohnt worden. Der perfekte Moment! Noch ein Szenenwechsel
Ungläubig sehen sich die Schaulustigen an. Haben sie da gerade wirklich richtig gehört? Waren die letzten Worte des Mannes, der da gerade ermordet wurde wirklich: Es ist vollbracht!? Hat dieser Jesus es wirklich so gemeint: Endlich am Ziel? Geschafft? Wenn ich davon ausgehe, dass Jesus Gottes Sohn ist und als solcher hier gelebt hat, könnte das bedeuten, dass sein ganzes Leben auf diesen Moment hingezielt hat. Seine Geburt im Stall von Bethlehem, seine Kind- und Teeniezeit als ganz normaler Junge, der auch mal Stress mit seinen Eltern hatte. Seine Zeit als Gelehrter, der es wagte, anderen Gelehrten unbequeme Fragen zu stellen und der die Leute mit seinen Reden herausforderte, provozierte, begeisterte. Als Helfer, der besonders die Außenseiter der Gesellschaft im Blick hatte und ihnen ein Freund war. (Als sanftmütiger Mann, der messerscharfe Argumente hatte und immer genau das sagte, was niemand erwartete.)
Das alles hört sich schon nach einem fokussierten, zielstrebigen Lebensweg an. Aber kann man das, was da am Ende geschah wirklich als Erfolg verbuchen? Als den perfekten Moment? Jesus hängt am Kreuz und stirbt und auch wenn er am Ostermorgen wieder lebendig wird ... ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diese Grausamkeit vorher als himmlischer Moment aller Momente ausgegeben wurde.
Das, was da am Kreuz passiert ist, war nicht der perfekte Moment für Jesus. Aber ich glaube, dass es ein perfekter Moment für mich war! Ich denke, dass Gott sich perfekte Momente für uns Menschen wünscht. Momente, in denen wir Erfolg haben, den Augenblick genießen und sagen können: Das habe ich gut hinbekommen. Das macht Leben lebenswert! Und ich wünsche mir diese Momente! Aber Gott wünscht sich auch perfekte Momente für uns, die auf den ersten Blick so gar nicht danach ausschauen, weil ich so gar nichts dazu tun kann. Der Tod von Jesus ist so ein Moment für mich. Ein Moment, der andauert. Ich glaube, dass Jesus gestorben ist, weil er uns Menschen liebt und weil er dadurch alles das, was in meinem Leben so unperfekt läuft, gebüßt hat. Das klingt unrealistisch und nicht sehr vorzeigbar. Irgendwie unperfekt. Aber genau darin liegt für mich die Perfektion.
Dieser unperfekte und doch perfekte Moment der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus ist für mich wichtig sehr wichtig. Durch Jesu Leben, sterben und auferstehen ist Gott für mich persönlich geworden. Das kann ich nicht vollständig erklären. Ich glaube es. Und, ich kann es spüren. In perfekten Momenten zum Beispiel durch Dankbarkeit. Und in unperfekten Momenten durch das unnachahmliche Gefühl: Ich bin trotzdem geliebt! Und es gibt eine zweite Chance.
Der perfekte Moment
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