Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.07.11, Pfarrerin Petra Schulze

Kinder von Tschernobyl

Ein großes Musikfestival gegen Atomkraft. Das fand heute vor genau 25 Jahren in der ostbayerischen Stadt Burglengenfeld in der Nähe von Wackersdorf statt.

Über 100.000 Menschen pilgerten dort hin, um Musiker wie Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Die Toten Hosen oder BAP zu hören. Die traten ohne Honorar auf.

Musik:  BAP Konzert in Wackersdorf/Burglengenfeld 1986 Verdamp lang her

Autorin: …sang die Gruppe BAP. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl lag damals erst wenige Monate zurück. Knapp 25 Jahre später spielt das Frauenblasorchester Berlin zum Gedenken an diese Katastrophe im Evangelischen Johannesstift. Ein Benefizkonzert für die Kinder von Tschernobyl.

Musik: Frauenblasorchester Berlin im Johannesstift 2011 / Muppetsshow

Autorin: Jeden Sommer verbringen Kinder aus Tschernobyl mit ihren Müttern und einige Jugendliche ihre Ferien im Berliner Johannesstift. Geld wird hierfür immer gebraucht und so kommt das Benefizkonzert gerade recht. Geplant wurde es schon im vergangenen Jahr – vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Nikola Kott spielt mit im Frauenblasorchester:

O-Ton: „Klar hätte man auch für Fukushima spielen können, aber man darf halt auch die Kinder nicht vergessen von Tschernobyl, weil dies Projekt oder das Drama gibt’s immer noch.“

Autorin: Die Kinder haben Leukämie, sind mit Fehlbildungen geboren oder brauchen wegen der weichen Knochen Prothesen. Eine Ärztin ist Teil des Teams, das die Kinder in Deutschland betreut. Ausgesucht werden sie vom Verein „Hilfe für krebskranke Tschernobylkinder“. Für Mütter und Kinder ist es schön, in einer von Strahlen unbelasteten Umgebung zu sein. Wichtiger aber noch ist die medizinische Hilfe, die die schwerkranken Kinder hier bekommen, erklärt Andreas Stein, Diakon im Johannesstift:

O-Ton: „Wenn die Ärztin kommt am Anfang einer Fahrt und sich alle Kinder anguckt und alle Jugendlichen, dann sitzen alle da und warten,(…) und sind unglaublich dankbar, wenn sie wissen, dass alles in Ordnung ist oder dass man da und da nachschaut (…) und das ist so ihre Motivation.“

Autorin: In Berlin werden ihnen die Körper-Prothesen neu angepasst. Die Orthopädietechniker arbeiten dann rund um die Uhr, damit alles in den drei Wochen Ferien fertig wird. Und die Mütter erleben durch den Kontakt mit anderen Menschen mit Behinderungen auf dem Stiftsgelände: Ich muss mein Kind nicht verstecken, es kann trotz Rollstuhl und Prothesen ein Teil der normalen Gesellschaft sein. Und schön ist es,

O-Ton: „…. wenn auch die Mütter sich austauschen konnten (…), die sich sonst höchstens nur durch die Klinik, in der die Kinder behandelt wurden, kannten oder gar nicht kannten vorher und da diesen Austausch und diesen Zusammenhalt hinzubekommen…“

Autorin: Eine Mutter hat sogar schon eine Selbsthilfegruppe in ihrer Heimat gegründet. Natürlich gibt es neben all dem auch jede Menge Spaßprogramm.

O-Ton: „Wir waren des Öfteren auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest, wir waren auch im Filmpark in Babelsberg, wir besuchen Museen, das Technikmuseum, Naturkundemuseum ist immer gern gesehen, (…) alles solche Aktivitäten.“

Autorin: Die Kinder von Tschernobyl – wir dürfen sie nicht vergessen. Trotz Fukushima. Sie mahnen uns, die Gefahren der Atomenergie nicht zu verharmlosen. 

Verdamp Lang Her (Live In Wackersdorf 1986), BAP aus dem Album Verdamp Lang Her (Die Verdamp Lange Single Part I), ursprüngliches Erscheinungsdatum : 25. März 2006, Label: EMI Germany, (C) 2006 Capitol Music, A Division Of EMI Music Germany GmbH & Co. KG. This Labelcopy Information Is The Subject Of Copyright Protection. All Rights Reserved. (C) 2006 EMI Music Germany GmbH & Co. KG, 7:28 Minuten, ASIN: B001QJWG1A, LC 02017

Audiobeitrag Kinder von Tschernobyl


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