Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.07.11, Florian Schmitz-Kahmen

Temporitis

Erst war es BSE, dann SARS. Es folgten H5N1 und EHEC. Alles Kürzel für verschiedene Epidemien, um die eine Zeit lang großer Wirbel gemacht wird.

Und dann? Nichts dann. Weg. Einfach weg. Na ja, so einfach dann doch nicht.

Es gibt eine Seuche, die immer noch grassiert:  die Temporitis. Das Vertrackte an dieser Seuche ist, dass ihre Ausbreitung rasend schnell läuft und die Symptome einen ganz schön aus dem Takt bringen. Temporitis – das heißt ins Deutsche übersetzt so viel wie: chronischer Zeitmangel.

Wer von der Temporitis betroffen ist, gibt in der Regel seltsame Stöhnlaute von sich: „Mir rennt die Zeit weg.“ Und genau so ist es: eh man sich‘s versieht, ist sie weg. Einfach weg. In der Klausur, im Büro, beim Chillen…einfach überall und jederzeit: keine Zeit.

Ich habe mich schon oft gefragt: Wo rennt die Zeit eigentlich hin? Und warum ist sie immer schneller als ich? Bis ich sie tatsächlich wiedergefunden habe. Sie hatte sich zugegebenermaßen gut versteckt. Ausgerechnet dort, wo man sie am wenigsten vermutet. Ich habe lange gesucht: am Montag, am Dienstag, am Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag. Und dann endlich habe ich sie gefunden. Sie war zum Sonntag gerannt. Und wenn ich’s recht betrachte, dann passt sie da auch wunderbar hin. Denn am Sonntag kann sich die Zeit von all ihrer Rennerei ausruhen. Und ich will es genauso machen.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Temporitis


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