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Erinnerungsschätze
Ein königsblauer Strandkorb mit gelb, rot, blau, weiß gestreifter Markise in den Dünen, darüber hellblauer Himmel mit Schönwetterwölkchen und am Horizont das Meer
mein gute Laune Foto. Es ist für mich unersetzlich. Dabei gibt es viel kunstvollere Strandkorbfotos zu kaufen. Doch mein Foto kann etwas, das andere nicht können: Es löst bestimmte Gefühle bei mir aus. Erinnerungen an einen glücklichen Moment.
Nach einer sehr turbulenten Zeit komme ich in jeder Hinsicht erschöpft auf der Nordseeinsel Amrum an. Ich spüre den Sand unter meinen Füßen, rieche die salzige Meeresluft, fühle den warmen Wind auf meiner Haut, höre meine Freundin lachen: Na, musst du wieder jeden Grashalm mit der Kamera festhalten? Meine Gedanken schweifen zu der einfachen, kleinen Ferien-Wohnung, in der wir uns an kalten, windigen Regentagen Gedichte und Geschichten vorlesen und auf einer kleinen Kochplatte ein leckeres warmes Essen zaubern. Ich sehe den Leuchtturm und die blühende Heidelandschaft, durch die wir radeln. Ich habe noch viele andere Urlaubsfotos aber nicht bei jedem stellt sich dieses Gefühl von Weite, Frieden und Lebenslust ein, die ich genau in dem Moment hatte, als ich den Auslöser drückte.
Was macht ein Erinnerungsfoto, was macht eine Muschel, einen Stein, eine kleine getrocknete Blume oder einen bizarren Ast zu einem wertvollen persönlichen Erinnerungsschatz? Testen Sie es einmal selbst: Vielleicht haben Sie irgendwo solche Erinnerungsstücke liegen oder stehen. Nehmen Sie die kleine Vase, die Skulptur, die Sie auf dem orientalischen Markt ergattert haben oder den Stein, was auch immer, und fühlen Sie: Kommt sie, die Erinnerung? Riechen, schmecken, fühlen Sie etwas? Gibt es Ihnen Kraft und weckt es Lebens- und Reiselust? Weckt es Hoffnung in Ihnen?
Dann passiert etwas, was schon vor tausenden von Jahren den Menschen ganz selbstverständlich war. Sie erinnerten sich gemeinsam daran, wie sie aus einer turbulenten, lebensbedrohlichen Situation in eine entspannte, glückliche, freie geführt wurden. Sie schrieben diese wunderbaren Veränderungen Gott zu. Gott, der sie aus der Sklaverei in Ägypten durch die Wüste in das gelobte Land führte.
Erinnerungsfotos an diese Befreiungstat hatte man damals nicht. Stattdessen feierte man gemeinsam ein Fest zum Gedenken. Und damit die Erinnerung so lebendig wie möglich wird, gibt es bei diesem so genannten Passahmahl Mazzen statt gesäuertem Brot. Die erinnern an den raschen Aufbruch aus Ägypten. Keine Zeit dafür, noch einen Sauerteig gehen zu lassen. Geriebener Meerrettich steht beim Fest auch auf dem Tisch und erinnert an die bittere Sklaverei, die der Freiheit gewichen ist. Das Wort, das die alten Hebräer für unser Wort sich erinnern benutzten, heißt zachar. Und das bedeutet mehr als nur zurückdenken. Es bedeutet, sich etwas lebendig vergegenwärtigen. Das Vergangene zu schmecken, zu fühlen die Bitterkeit und dann die Befreiung daraus. Die Freude darüber heute lebendig werden zu lassen. Und daraus dann Hoffnung zu schöpfen, dass Gott mich auch jetzt noch aus Situationen, in denen ich unterdrückt und unfrei bin, befreien kann. Für meine Erinnerungsschätze heißt das: Wenn sie mich nur belasten und beschweren trenne ich mich von ihnen. Wenn sie mir helfen, wieder neue Kraft zu spüren, an das Glück, das ich einmal hatte, anzuknüpfen, meine Sehnsucht nach einem besseren Leben wach zu halten, dann bekommen sie weiterhin einen Ehrenplatz. Denn sie verändern mein Leben heute.
Erinnerungsschätze
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