Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.07.11, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Loveparade - ein Jahr nach der Katastrophe

Es begann als fröhliches Fest – und es endete in einer Katastrophe: ein Tunnel und eine Treppe wurden zur tödlichen Falle. 21 Tote und über 500 Verletzte –

das war vor genau einem Jahr die traurige Bilanz bei der Duisburger Loveparade. Der Landespfarrer Joachim Müller-Lange hat damals die Einsätze der Notfallseelsorger geleitet und er hat immer noch Kontakt zu Opfern und Hinterbliebenen.

O-Ton: Gerade Jahrestage spülen das ganze Leid noch einmal an die Oberfläche, das ist für uns der Grund, weshalb wir nicht nur dafür sorgen, dass es eine Gedenkveranstaltung gibt, sondern dass wir die Angehörigen während des gesamten Wochenendes (…) gemeinsam betreuen und dabei auch die Angehörigen die Möglichkeit haben, sich untereinander auszutauschen …

Autorin: Solche Treffen und Gespräche  – organisiert von der Notfallseelsorge – hat es in den vergangenen Monaten viele gegeben. Die meisten Betroffenen haben ihr Leben dadurch wieder einigermaßen in den Griff bekommen. Doch zu schaffen macht ihnen nach wie vor, dass niemand die Verantwortung für die Katastrophe übernehmen will:

O-Ton: Es besteht dadurch nicht die Möglichkeit, mit dem Geschehen abzuschließen. Dass die juristische Aufarbeitung länger dauern würde, das ist den Angehörigen dadurch klar geworden, (…) wie viel Material von der Staatsanwaltschaft gesichtet werden musste.

Autorin: Die juristische Schuldfrage ist aber nur das eine – die Betroffenen leiden auch darunter …

O-Ton:  … dass bisher von Seiten der Stadt Duisburg die politische Verantwortung nicht übernommen worden ist, das führt genauso dazu, dass sie nicht abschließen können. Also es hält (…) die Wunden offen, die eigentlich schon gut hätten heilen können.

Autorin: Tiefe Spuren hat die Katastrophe der Loveparade nicht nur bei den Familien der Getöteten hinterlassen – auch viele der Überlebenden haben immer noch mit den Folgen zu kämpfen, sagt Joachim Müller-Lange:

O-Ton: Wir haben engen Kontakt mit zirka 60 der 500 Überlebenden, die damals verletzt worden sind bei dem Geschehen – für sie war es so, dass sich ihr Tagesablauf absolut verändert hat, sie waren nicht mehr in der Lage, arbeiten zu gehen, (…) sie haben zum Teil ihren Beruf verloren, sind gekündigt worden, also es gab ganz heftige Einschnitte in ihrem Leben.

Autorin: Heute Nachmittag wird es eine  offizielle Gedenkveranstaltung in der Duisburger Fußball-Arena geben. Allein aus den Reihen der Hinterbliebenen liegen dafür 160 Anmeldungen vor – darunter auch aus Spanien, Holland, Italien und sogar China. Gerade für die Familien der Opfer wird dieser erste Jahrestag eine harte Prüfung. Was aber auch deutlich werden wird ist:

O-Ton: dass sie alle in der gleichen Situation sind und (…) ) das erleichtert es durchaus, dieses Schicksal zu ertragen – (auch wenn das Schicksal damit nicht zu Ende ist.)

Autorin: Der verständliche Wunsch, dass alles wieder gut werden möge – er wird ein Wunsch bleiben. Darauf müssen sich auch die Hinterbliebenen der Loveparade-Opfer einstellen. Und sie müssen lernen, damit zu leben:

O-Ton: Es gibt die Zeit vor dem Ereignis und es gibt die Zeit nach dem Ereignis und diese Zeit wird im Grunde gehen bis zum Lebensende. (…)

Autorin: Schon bei der Arbeit mit den Tsunami-Hinterbliebenen ist deutlich geworden, (…) dass zwar die Alltagsbewältigung nach und nach leichter wird, aber eben die Trauer nicht vergeht.

O-Ton: Es wird nicht die Möglichkeit geben, dieses Leiden, was da ist, (…) zu verdrängen, (…) es zu vergessen, (…) – was aber möglich ist: dass man angemessen mit diesem Ereignis umgehen können wird.

Audiobeitrag Loveparade - ein Jahr nach der Katastrophe


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