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Woran Promis glauben: Renate Künast
O-Ton: Wenn man mich fragt, was Kirche und Glauben für mich für ne Rolle gespielt hat, da war für mich ich sag immer - die meiste Wertevermittlung, aber auch der Respekt,
aber auch der Respekt, den ich sozusagen mir gegenüber empfunden habe.
Autorin: erzählt Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen. Das Wort Kirche aus ihrem Mund mit einer positiven Konnotation, das irritiert. So kennt man sie gar nicht. Die resolute Frau, mit dem frechen Kurzhaarschnitt und dem scharfen Verstand.
O-Ton: Wir wurden immer in die Kirche geschickt der übliche Sonntagvormittag die Glocken läuten. Das löst heute bei mir das gleiche Gefühl noch aus, dann gingen wir in die Kirche.
Autorin: Sie und ihre Geschwister in ihrem Heimatort Recklinghausen. Nach dem Abi studierte Renate Künast Sozialarbeit und ging Anfang der 70ger Jahre nach Berlin. Dort arbeitete sie in der Justizvollzugsanstalt Tegel, studierte schließlich Jura und kehrte der Kirche den Rücken:
O-Ton: Ich war mit 21 ungeduldig und bin sozusagen durch und durch grün geworden Und mir war ob Gewerkschaften oder Kirche, ev. Kirche sie war mir eine Zeit lang nicht engagiert genug. Sich für die Schöpfung einsetzen, für Flüchtlinge. Das war dünn.
Autorin: Das änderte sich zehn Jahre später, 1985, als Renate Künast - mittlerweile war sie Anwältin - grüne Abgeordnete wurde:
O-Ton: Als ich dann grüne Abgeordnete war, wer waren die ersten Bündnispartner, Bündnispartnerinnen, wenn es darum ging gute Flüchtlingsarbeit zu machen? Wenn es darum ging sich um diese Menschen, ihre Würde, ihre Versorgung zu kümmern, das waren dann ev. Pfarrer und Pfarrerinnen, die damals noch Kirche in der Minderheit war. Aber das war so. Das traf man sich Werte geleitet wieder.
Autorin: Nach wie vor wünscht sie sich von der evangelischen Kirche mehr Mut, sich eindeutig zu positionieren.
O-Ton: Und da auch laut zu sein. Ich hätte mir zum Thema Stammzellforschung gewünscht, das die ev. Kirche nicht einfach sagt: Zack, wir können Jahre weiterschieben, sondern dass sie wirklich aufsteht und sagt: Was steckt da eigentlich potenziell für ein Menschenbild dahinter. Ich möchte, dass die Kirche sich richtig reinwirft und sagt: Wir diskutieren über Werte , über Forschung, was soll da gehen, was soll da nicht gehen?
Autorin: Für sie wäre das ganz im Sinne Jesus, denn für sie ist er
O-Ton: Eine Figur, die Mut macht und zeigt, dass es richtig ist, sich im Leben für etwas einzusetzen.
Autorin: An Jesus als den Christus, den Sohn Gottes glaubt Renate Künast nicht. Sie gehört zu den Realos in der Politik und im Glauben.
O-Ton: Früher als Jugendliche hab ich definitiv dran geglaubt. Heute weiß ich, dass es vielleicht auch nur ein Prophet war. Ich gehöre eher zu denen, die ordentlich zweifeln, nicht an einem höheren Sinn, aber ob die Gestalten immer so existieren.
Autorin: Glück Bindestrich selig darum kämpft Renate Künast in ihrem Leben - um Glückseligkeit es ist ihre Übersetzung der Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu.
O-Ton: Und das kann alles sein: Einer kranken Freundin ein Essen zu bereiten. Es kann aber sein, sich um große Strukturveränderungen, um Bildungspolitik, um Energie, um Flüchtlinge zu kümmern. Und am Ende der Woche ist es so ein wohliges Gefühl. Und es ist nicht Kakao trinken, sondern es ist dieses sich mit sich selber im Reinen fühlen. Dann müsste man auch keine Angst vor dem Sterben haben.
Autorin: Angst hat sie aber vor einer todbringenden Diagnose mitten im Leben. Was das bedeutet, hat sie gerade bei einer guten Freundin erlebt. Glaubt Renate Künast an ein Leben nach dem Tod?
O-Ton: Eine der kompliziertesten Fragen. Geht es weiter? Je älter ich werde, desto mehr habe ich das Gefühl, alles was ich gedacht, empfunden oder geredet habe, ist ja irgendwo. Hat auf der Welt was verändert. Existiert also faktisch weiter. Und ansonsten werde ich Teil des großen Naturkreislaufes sein.
Woran Promis glauben: Renate Künast
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