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So jemand spricht: Ich liebe Gott (eg 412)
Autor: Eine Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht. Dieser Satz ist Leitsatz jeder sozialen und demokratischen Politik.
Besonders besorgt mich die Armut in unserem reichen Lande. Die Armut zu bekämpfen ist leider auch derzeitig in Deutschland eine große Aufgabe, sowohl für die Politik, als auch für die Gesellschaft schlechthin. Denn wenn die Schere zwischen Arm und Reich zu weit auseinander geht, droht die Gesellschaft zu zerbrechen. Dieses große Thema begegnet uns in einem Lied des evangelischen Gesangbuchs:
Musik 1 / Choral: (2. Strophe): Wer dieser Erde Güter hat / und sieht die Brüder leiden / und macht die Hungrigen nicht satt, / läßt Nackende nicht kleiden, / der ist ein Feind der ersten Pflicht / und hat die Liebe Gottes nicht.
Sprecherin overvoice-: Wer dieser Erde Güter hat und sieht die Brüder leiden und macht die Hungrigen nicht satt, läßt Nackende nicht kleiden, der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht.
Autor: Der Text des Chorals ist von Christian Fürchtegott Gellert bereits im Jahr 1757 verfasst worden, beschämend ist, dass er weiterhin diese Aktualität bei uns besitzt. Armut ist kein Phänomen der Vergangenheit, tritt nicht nur in Entwicklungs- oder Schwellenländern auf. Armut ist mitten unter uns. Wenn wir heute über die Hungrigen sprechen, dann ist damit nicht nur die ausreichende Versorgung mit Nahrung gemeint. Gleichzeitig ist auch ein Hunger nach Teilhabe an unserer Gesellschaft und nach Bildung und Kultur zu stillen. Diesen Anspruch haben wir auch vom Bunderverfassungsgericht bestätigt bekommen. Dadurch wurde die Frage nach dem Minimum, dass ein Mensch zum Leben braucht, beantwortet: Nämlich eben die Teilhabe an der Gesellschaft. Wie sagte Rosa Luxemburg: Entfremdung und entwürdigt ist nicht nur der, der kein Brot hat, sondern auch der, der keinen Anteil an den großen Gütern der Menschheit hat.
Musik 1 / Choral: (4. Strophe): Wir haben einen Gott und Herrn, / sind eines Leibes Glieder, / drum diene deinem Nächsten gern, / denn wir sind alle Brüder. / Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, / mein Nächster ist sein Kind wie ich.
Sprecherin overvoice-: Wir haben einen Gott und Herrn, sind eines Leibes Glieder, drum diene deinem Nächsten gern, denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, mein Nächster ist sein Kind, wie ich.
Autor: Gellert spricht in dieser Strophe davon, dass wir alle Brüder sind. Auch unsere Gesellschaft baut auf dem Prinzip der Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit auf. Nächstenliebe ist dabei individuelle, aber auch gesellschaftliche Aufgabe. Es gibt keinen Glauben ohne praktizierte Nächstenliebe. Über unser konkretes Handeln, über die Hilfestellung für Bedürftige zeigen wir, dass wir Gottes Botschaft der Nächstenliebe verstanden haben. Und so können wir Gottes Liebe erlangen. Unsere Nächsten sind sie alle: der Obdachlose, dem wir in der Innenstadt begegnen, das Kind, das sich die Mitgliedschaft im Sportverein nicht leisten kann und die alte Frau, die in einer Nachbarschaft wohnt und nie Besuch bekommt.
Musik 2 / Orgel (7. Strophe - instrumental)
Sprecherin, 7. Strophe overvoice-: Was ich den Armen hier getan, / dem Kleinsten auch von diesen, / das sieht er, mein Erlöser, an, / als hätt ich's ihm erwiesen. / Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein / und Gott in Brüdern nicht erfreun?
Autor: Auch diese Strophe hat etwas in sich, das aufweckt und unser Verhalten den Nächsten gegenüber überdenken lassen sollte. Auch in unserem Land haben wir mehr als 792.000 Kinder und Jugendliche, die arm sind. Das ist fast ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in unserem Land Nordrhein-Westfalen. Gerade um diese Kinder müssen wir uns in besonderer Weise kümmern, denn sie müssen die Chance erhalten, an ihrer Lebenssituation etwas zu verändern. Es geht darum, Rahmenbedingungen für diese Kinder zu schaffen, die ihre Chancen verbessern. Diese Aufgabe ist über Politik alleine nicht zu bewältigen. Deshalb brauchen wir gesellschaftliche Gruppen engagierte Einzelpersonen. Und darum sollte man überdenken, was man als Mitglied der Gesellschaft für unsere schwächsten Mitglieder tun kann. Armut kann nur bekämpft werden, wenn die Zivilgesellschaft handelt. (00:72)
Musik 2 / Orgel: (6. Strophe - instrumental:
Sprecherin, 6. Strophe overvoice-: Vergibst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen; ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen, dem nicht verzeihn, dem du vergibst, und den nicht lieben, den du liebst?
Autor: Keinen Menschen fallen zu lassen, für alle Menschen da zu sein und sie und ihre Bedürfnisse zu bedenken, das ist von Bedeutung, das ist gelebte Solidarität. Versuchen wir doch mal, unsere Mitmenschen tatsächlich als Brüder und Schwestern zu sehen. Viele Menschen, denen wir begegnen, sehen wir nämlich nur noch als Fremde an, als diejenigen, die nicht dazu gehören. Ich bin sicher, dass mit einer neuen Perspektive auch ein anderes Verhalten gegenüber dem vermeidlich Fremden einhergehen würde. Sei es nun ein Mensch mit Migrationshintergrund oder ein Mensch mit Behinderung.
Musik 1 / Choral: (1. Strophe): So jemand spricht: »Ich liebe Gott«, / und haßt doch seine Brüder, / der treibt mit Gottes Wahrheit Spott / und reißt sie ganz darnieder. / Gott ist die Lieb und will, daß ich / den Nächsten liebe gleich als mich.
Sprecherin, 1. Strophe overvoice-: So jemand spricht: »Ich liebe Gott«, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und reißt sie ganz darnieder. Gott ist die Lieb und will, daß ich den Nächsten liebe gleich als mich.
Autor: Mit dieser ersten Strophe des Chorals möchte ich heute abschließen. Sie umfasst noch einmal seine Botschaft an uns. Gott will, dass ich mich zu ihm bekenne, in dem ich mich um meinen Nächsten kümmere. Darum mag ich auch diesen Choral besonders: Er rüttelt uns wach und erinnert uns an unsere Pflichten. Gleichzeitig ist die Musik ruhig, dadurch stimmt sie auch hoffnungsvoll. Und für mich sind zwei Bereiche des Textes ganz wesentlich:
Zum einen, dass wir Niemanden zurücklassen. Keiner hier steht außerhalb der Gesellschaft, daher müssen wir uns um alle kümmern. Wir wollen eine Gesellschaft inklusiv. Zum anderen, dass wir Gottes Liebe über das richtige Handeln erlangen, und dabei die gelebte Nächstenliebe eben so wichtig nehmen. Das gibt mir Hoffnung, auch für unser Zusammenleben hier.
Musikinformationen:
Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757 Melodie: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt (Nr. 525)
Musik 1: Choral: So jemand spricht: Ich liebe Gott (eg 412) Wuppertaler Knabenchor; Strophen 1,2,4 Aufnahme vom: 19.6-21.8.1998, Wuppertal, Studio-Aufnahme Text von Dichter: Christian Fürchtegott Gellert Komponist: Johann Hermann Schein und Heinz Rudolf Meier Chor: Wuppertaler Kurrende unter der Leitung von: Heinz Rudolf Meier
Musik 2: Orgel, instrumental: Mach`s mit mir Gott, nach deiner Güt (eg 525) gleiche Melodie wie: eg 412 So jemand spricht, ich liebe Gott Strophen ,6 und 7, mit Orgel Text von Dichter: Johann Hermann Schein 1628 Komponist: Kittel, Johann Christian Orgel: Schifferstadt, Ev.Pfarrkirche Historische Orgeln im Landkreis Lundwigshafen
So jemand spricht: Ich liebe Gott (eg 412)
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