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Wir Engel
Letzter Tag der Engelwoche. Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Wenn Sie mir die letzten Tage bis heute treu geblieben sind, danke für ihre Geduld.
Bei der Gelegenheit, dies ist auch vorläufig meine letzte Andacht im WDR. Der Ruhestand steht vor der Tür. Vielen Dank an sie alle, vor allem auch an die, die mich in den vergangenen Jahren mit Lob und hilfreicher Kritik begleitet haben. Gott schütze Sie. Aber nun zurück zu den Engeln. Obwohl: wenn ich gerade von Ihnen und mir gesprochen habe, da bin ich gar nicht so weit von meinem letzten Thema entfernt. Denn nun geht es um uns als Engel. In Psalm 8 gerät der Dichter gerade zu außer sich und ruft: Wie wunderbar ist der Mensch. Du, Gott, hast ihn nur wenig niedriger gemacht als dich selbst. Was so viel heißt wie: zwischen uns und Gott passt eigentlich kaum ein Blatt Papier. So gesehen sind wir mindestens auf einer Stufe mit den Engeln, wenn nicht sogar etwas höher. Und wenn wir einmal nicht so schlecht über uns oder andere denken und uns genauer und vor allem liebevoller anschauen, dann können wir in der Tat doch viel Engelähnlichkeit mit uns entdecken. Das mag Sie jetzt überraschen, aber es stimmt.
Es macht schon Sinn, wenn Verliebte zueinander mein Engel sagen. Oder wenn sich Eltern über ihr friedlich schlafendes Kind beugen, sich selbst dann ganz gerührt in die Augen sehen und sagen: schau mal, unser Engelchen; selbst wenn diese Engelchen einen auch manchmal ganz schön triezen können. Oder wenn der Doktor sich als wahrer Engel entpuppt, weil er endlich das wirksame Medikament gefunden hat. Es ist schon so: wir können auch einander zum Engel werden. Manchmal ungewollt und für einen selber überraschend. Und dann müssen wir tun, was Engel halt so zu tun haben. Wir sind dann im Auftrag des Herrn unterwegs. Einige von Ihnen werden möglicherweise dieses Zitat aus dem Film Blues Brothers kennen. Zwei Gauner, die als Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben in einem christlichen Kinderheim Liebe und Zuneigung erfahren haben, setzen als Erwachsene Himmel und Hölle in Bewegung, um ihr altes Kinderheim vor dem drohenden finanziellen Ruin zu bewahren. Ihre Methoden sind hart am Rande des Erlaubten. Aber als sie schließlich das Geld zusammen haben und im allerletzten Augenblick es den Gläubigern auf den Tisch knallen, da sind sie für die einen so eine Art Racheengel und für die anderen die sprichwörtlichen rettenden Engel.
Aber wir müssen ja nicht gleich die Filmwelt bemühen, wenn es um uns als Engel geht. Sie glauben gar nicht, wie oft wir anderen zum Engel geworden sind oder werden könnten: da reicht schon ein liebevolles Wort, eine freundliche Geste, ein Lächeln, eine beherzt zupackende Hand, ein tröstende Umarmung Da genügt es, sich schützend vor jemanden stellen, jemanden festhalten, der ins Straucheln gerät, ein Versprechen halten -auch wenn es schwer fällt, eine Kränkung vergessen -auch wenn sie schmerzt. und dann sind wir überrascht, wenn uns jemand sagt: sie schickte der Himmel, für mich sind sie ein Engel.
Wenn es also um Gottes Engel geht, dann sind das nicht diese esoterischen Schleier-Geister-Luftikusse, eine Lichtaura oder ein fantasievolles Kraftfeld. Nein, Gottes Engel sind handfest, Gottes Engel sind wir: oder wie es der Dichter Christoph August Tiedge sagt:
Sprecherin: Wer Engel sucht in dieses Lebens Gründen, der findet nie, was ihm genügt. Wer Menschen sucht, der wird den Engel finden, der sich an seine Seele schmiegt. (Christoph August Tiedge, 1752-1841)
In aller Schwachheit, die uns auch zu Eigen ist: Gott hat uns nur wenig niedriger erschaffen als er selber ist; er hat uns mit allem ausgestattet, das uns zu Engeln werden lässt und er vertraut darauf, dass wir unsere Engelähnlichkeit auch zeigen.
So wünsche ich Ihnen allen: möge Ihnen heute ein Engel begegnen oder mögen Sie für jemanden zum Engel werden.
Ein herzlichen Gott befohlen ihr Pfarrer Gerd Höft von der evangelischen Kirche.
Wir Engel
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