Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.07.11, Pfarrer Gerd Höft

Posaunenengel

Ich war dreizehn, als ich das Trompetespielen lernte und in den Posaunenchor meiner damaligen Kirchengemeinde eintrat. Das war alles sehr schön und hatte viel Spaß gemacht.

Nur an eines mochte ich mich damals nicht so recht gewöhnen: an die sicher liebevoll gemeinte Bemerkungen einiger Erwachsener: ach, dann bist du jetzt auch ein Posaunenengel.

Das mit dem Posaunenengel bekamen wir auch häufiger zu hören, wenn wir in fremden Gemeinden aufspielten: „Die Posaunenengel sind da“, hieß es dann. Dabei ist das schon komisch. Ich hatte ja eher so Instrumente wie Flöte oder besser noch Harfe mit Engeln in Verbindung gebracht. Aber Posaunen? Das sind doch die Instrumente, die zur Attacke blasen, die aufschrecken oder sogar Mauern zum Einsturz bringen, wie man ja in der Geschichte vom Fall der Stadt Jericho nachlesen kann. Passt da nicht besser das Bild zum Beispiel vom Bayern im Himmel, der –obwohl von robuster Art- mit einer Harfe auf einer Wolke sitzt und ein Halleluja nach dem andern säuseln sollte? Andererseits: wenn Engel halt Herolde sind, die etwas Bedeutendes ankündigen, dann muss es vielleicht auch mal die Posaune sein. Wie zum Beispiel bei den Posaunenengeln, von denen das letzte Buch der Bibel erzählt, der Offenbarung des Johannes. Da lesen wir:

Sprecherin: Die sieben Engel mit den sieben Posaunen hatten sich gerüstet zu blasen. Und der erste blies seine Posaune und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermengt und fiel auf die Erde und der dritte Teil der Erde verbrannte. Und der zweite Engel blies seine Posaune; und es stürzte etwas wie ein großer Berg mit Feuer brennend ins Meer und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut.

Autor: Und so gruselig geht es weiter bis schließlich, nachdem alles in Schutt und Asche liegt, der siebte Engel mit seiner Posaune Erlösung und Neuanfang verkündet. Also niedliche Posaunenengel sind das alle nicht. Wenn Gott seine Posaunenengel losschickt, dann hat die ganze Welt gefälligst zuzuhören, da will er uns auf etwas aufmerksam machen. Hört her: wie könnt ihr zulassen, dass Kinder unter Armut, Hunger, Vernachlässigung, Missbrauch leiden? Wie könnt ihr mit ansehen, dass die Alten, die euch einmal gehegt und gepflegt haben, jetzt in Altenheimen und Pflegestationen einfach so dahindämmern. Seht ihr denn nicht, dass Geld und Arbeit ungerecht verteilt ist uns so zur Quelle von Gewalt  und  Hass wird. So tönt es aus den Posaunen: die Welt liegt im Argen, wie könnt ihr so tun als ginge euch das alles nichts an? Ihr verschließt eure Ohren? Ihr wollt nichts davon hören? Meine Engel werden euch die Botschaft solange um die Ohren blasen, bis euer Widerstand zusammenbricht wie weiland die Mauern von Jericho.

Gut, nicht alle sind verstockt und viele haben die Posaunenklänge der Engel längst gehört und versuchen mit viel Einsatz der hinausposaunten Botschaft gerecht zu werden. Aber es gilt halt, noch viel mehr aufzuwecken und aufzuschrecken. So vieles in der Welt braucht unsere Aufmerksamkeit, so viele um uns herum brauchen unsere Unterstützung. Selbst wenn die Welt im Sommersonnenglanz liegt, selbst wenn die Ferienstimmung keinen Raum für Krisengerede zulässt; es bleibt dabei – auch in diesem Sommer, wie in allen, sind Gottes Posaunenengel unterwegs. Machen Lärm und lassen nicht nach, uns auf Gottes Botschaft hinzuweisen. Wacht auf, lasst euch nicht einschläfern, seht genau hin und dann packt an.

Ach ja. Wie schön wäre es doch, wenn die Engel eines schönen Tages ihre Lärmposaunen zur Seite legen könnten und sich mit dem Instrument beschäftigen würden, das ich lieber bei den Engeln sähe: die Harfe.

Falls Sie heute einen Posaunenengel Gottes hören, verschließen Sie nicht ihre Ohren, wünscht Ihnen ihr Pfarrer Gerd Höft aus Düsseldorf

Audiobeitrag Posaunenengel


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