Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.07.11, Pfarrer Gerd Höft

Straßenengel

Die gelben Engel. Engel der Landstraße. Heiß ersehnt von allen, deren Kiste streikt und die irgendwo warum auch immer auf der Straße gestrandet sind.

Und diese Engel bringen nicht nur Rat sondern meistens auch Tat. Dafür sind sie ja da und sie tun auch, was man von ihnen erwartet. Aber diese Engel mit der besonderen Farbe, die meine ich jetzt gerade nicht Ich habe da einen anderen Straßenengel im Sinn – und der blockiert die Straße und das persönliche Fortkommen. Er stellt sich in den Weg. Statt für zügiges Fortkommen zu sorgen, bringt er alles zum Stocken. Er stellt sich quer zu meiner Lebensstraße statt die Signale auf „Freie Fahrt“ zu stellen. Und er tut das auch noch mit rabiaten Mittel: denn er ist bewaffnet.

Aber von vorne: zunächst geht es um die biblische Geschichte vom Propheten  Bileam und seinem Esel und dem Straßenengel. Es ist eine längere Geschichte mit viel Hin und Her und runde 3000 Jahre alt; kurz gefasst und im Wesentlichen geht sie so: das Volk Israel, gerade in Palästina sesshaft geworden, führt Krieg gegen ein alteingesessenes Volk. Dessen König möchte sich für den Kampf gerne noch eine besondere Hilfe holen. Er schickt nach Bileam,  einem anerkannten Propheten. Der versteht sich aufs Verfluchen. Ein verfluchter Gegner ist halt leichter zu besiegen, denkt der König. Bei Bileam meldet sich aber auch der Gott Israels und sagt ihm: Israel ist gesegnet und er solle sich aus der Sache heraushalten. Das sagt Bileam auch den Abgesandten des fremden Königs, die wiederum informieren ihren Herrn; der ist überhaupt nicht angetan; schickt weitere Gesandte und das Spiel beginnt von vorne. Doch diesmal lässt Gott Bileam zum König aufbrechen. Der Prophet besteigt also seinen Esel und zieht los.

Auf einem schmalen Weg, der keine Ausweichmöglichkeiten lässt, bockt der Esel. Er sieht etwas, was der Reiter nicht sieht: einen Engel mit gezücktem Schwert – mitten auf dem Weg. Klar, dass da kein Esel vorbei möchte, es sei denn, er wäre ein Esel. Aber Bileam sieht nichts, merkt nichts – außer dass der Esel bockt. Also prügelt er ihn zunächst einmal windelweich. Doch der Esel bockt weiter. Er hat halt den Durchblick, den Einblick. Er sieht etwas, was du nicht siehst.

Halten wir einen Augenblick inne. Wo sind wir hier in dieser Geschichte. Nehmen wir an, wir wären Bileam. Wir sind also gerade ein Stück auf unserer Lebensstraße unterwegs. Plötzlich wird der Lebensweg holperig, steinig, eng, vielleicht gar gefährlich. Wir haben vielleicht Entscheidung nur halbherzig getroffen und gar wider besseres Wissen. Wir haben uns in etwas verrannt und wissen nicht so recht, wie wir da wieder rauskommen können: Was jetzt: Augen zu und durch? Es mit aller Gewalt versuchen? Mahnende Stimmen, Warnsignale aller Art einfach missachten? Einfach nur vorwärts ohne Rücksicht auf Verluste und sei man es selber, der möglicherweise draufgeht? Aber wie wir uns auch abstrampeln und anstrengen: kein Fortkommen. Irgendetwas, irgendjemand blockiert uns. Wohl dem, der dann einen Esel hat, eine warnende Stimme, einen Freund, irgendjemanden, der mir zum Durchblick verhilft, der mir die Augen öffnet; der sieht, was ich noch nicht sehe oder sehen will. Der sich mir gegenüber stur stellt, damit ich sehe, was alle Esel schon längst gesehen haben. Gottes Engel steht mir im Weg, Gott selbst steht mir im Weg. Sagt: Halt! Hier nicht weiter mit deinem Leben! Stopp: nicht weiter so. Dieser Weg, den du dir vorgenommen hast führt in die Irre, führt dich ins Verderben.

Es hilft dann gar nichts, auf die einzuschlagen, die diese Erkenntnis schon vor mir haben. Da hilft nur, innehalten, den eingeschlagenen Lebensweg überprüfen – und falls nötig: umkehren, sich neu orientieren. Buße nennt das die Kirche mit einem alten Wort. Und die ist allemal lebensrettend. So gesehen hat Bileams Straßenengel dann doch Ähnlichkeit mit den gelben Straßenengeln unserer Tage.

Möge sich Ihnen ein solcher Straßenengel rechtzeitig in den Weg stellen, das wünscht Ihnen ihr Pfarrer Gerd Höft aus Düsseldorf.

Audiobeitrag Straßenengel


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