Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.07.11, Pfarrer Gerd Höft

Engel - Maria

Maria wusste nicht wie ihr geschah; war auch wohl etwas verwirrt. Nicht so sehr verwunderlich, denn das geht wohl allen so,

 die wie aus heiterem Himmel Besuch von einem Engel kriegen. War das schon irritierend genug, dann war es seine Ankündigung erst recht:  Du wirst ein Kind kriegen, einen  Jungen, den sollst du Jesus nennen. Vorsichtiger Protest bei der jungen Frau:  Geht nicht, bin noch nicht verheiratet, allenfalls mehr oder weniger verlobt – und Sex vor der Ehe kommt überhaupt  nicht in Frage. Hier geht’s nicht um dich, bügelt der Engel die Einwände ab, sondern um das noch Ungeborene –und außerdem: Gott weiß,  was er will und was er will, kann er. Sprach‘s und verschwand.

Nicht gerade die Antwort, die Maria möglicherweise erwartet hat. Was soll sie jetzt noch tun und sagen. Das einzig richtige: mir geschehe, wie du gesagt hast. Das klingt ergeben und schicksalshörig. Man könnte sie dafür schelten so nach dem Motto: Wieso lässt du dir das gefallen, so kann man doch nicht mit dir umgehen. Du weißt doch, was mit einem gefallenen Mädchen passiert und auch das Kind, wenn’s denn ein Sohn wird, wird ewig gebrandmarkt sein. Man wird ihn rufen, „Jesus, Marien’s Sohn“. Was eine Schande ist, weil ja jeder anständige Sohn nach seinem Vater gerufen wird.

Also Maria hätte schon einigen Grund gehabt, um ein paar Bedingungen auszuhandeln. In etwa so: „Also lieber Engel, wenn ich Gottes Sohn austragen soll, dann möchte ich gerne vorher in geordneten Verhältnissen leben.“ Wäre verständlich und Gott hätte das sicher keine Mühe gemacht. Aber so ist das mit den Engeln Gottes: Sie verkünden und verschwinden. Fertig. Für Widerworte, Verhandlungen oder ähnliches ist weder Platz noch Zeit. Engel kündigen ihren Besuch nicht an, sie bereiten ihn nicht vor, sind nicht vorsichtig, um ja niemanden zu erschrecken. Engel fallen mit der Tür ins Haus. Hier bin ich sagen sie, ich hab dir was mitzuteilen. Und fertig is. Da hilft es auch nicht, dass der Engel Maria mit „Du Begnadete“ begrüßt. Ein junges Mädchen kann mit so was noch nichts anfangen.

Begnadet, du lieber Himmel. Ich bin gerade mal verlobt, wird sie gedacht haben. Aber etwas anderes hat sie sicher verstanden. Zu ihrer Zeit waren Engel ja noch gang und gebe. Man wusste von ihnen und wusste wer sie waren und in wessen Auftrag sie kamen. Es waren halt nicht die blonden Lockenköpfchen unserer Tage mit ihrem schlichten Wohlfühlambiente. Maria wusste, wenn ein Engel kommt ist, Gott im Spiel. Und wenn Gott im Spiel ist, steht was auf dem Spiel. Da ist es erst einmal richtig, sein Haupt zu beugen und zu sagen: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Denn Gott hat geredet „und was er spricht, geschieht“, heißt es in einem alten Lied. Maria weiß, hier wird etwas angekündigt, ihr angekündigt und durch sie allen anderen. Gott tritt in ihr Leben und durch sie in das Leben aller. Gottes Ankündigungen sind nie nur Botschaften für einen selber; sie zielen immer durch uns hindurch zu anderen hin. Wenn also bei Ihnen, lieber Hörerinnen und Hörer, ein Engel anklopft oder ihnen sagen wir mal auf der Straße begegnet, dann spüren Sie ihn nicht wie einen wesenlosen Hauch oder eine Art federleichter Federflügelschlag.. Die Botschaft eines Engels an Sie erkennen Sie, wenn einer Klartext mit Ihnen redet. Sich nicht darum schert, ob es Ihnen gefällt oder gerade nicht passt. Aber welcher der vielen Klartexte, die wir so hören, ist dann Gottes Klartext für uns? Und welcher der vielen bekannten und unbekannten Personen, die uns manchmal in den Weg treten, sind Gottes Engel?

Ich glaube, es liegt an der Wirkung. Egal wer mich anredet, der Freund, mein Kind, die Ehefrau, der Fremde – wenn sein Klartext mich  trifft, so trifft, dass ich innerlich mein Haupt beugen muss und sage „Mir geschehe, wie du gesagt hast“ dann war Gott im Spiel. Und wenn es Auswirkungen hat für mein Leben und das Leben anderer. Durch Gottes Klartext wird Maria schwanger und ihr Sohn verändert die Welt. Auch wir müssen durch die Engelbotschaft schwanger werden und Gutes für andere gebären. Was das sein kann? Das weiß ich nicht. Gott wird es Ihnen schon sagen wollen. Nur: Hören werden Sie selber müssen.

Einen Tag, an dem Ihnen ihr Engel begegnet, wünscht Ihnen ihr Pfarrer Gerd Höft aus Düsseldorf

Audiobeitrag Engel - Maria


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