| |
"Oskar und die Dame in Rosa"
Hörbuch: Eric-Emmanuel Schmitt, Oskar und die Dame in Rosa (Der Audio Verlag GmbH) 2004;
Autor: Oskar ist 10 Jahre alt. Er liegt im Krankenhaus und weiß, dass er bald sterben wird. Mit diesem Gedanken hat er sich einigermaßen abgefunden. Aber es wurmt ihn, dass niemand den Mut hat, mit ihm über das Sterben zu reden. Die einzige, die seinen Fragen nicht ausweicht, ist Oma Rosa - eine Frau, die regelmäßig die Kinder auf der Station besucht. Mit ihr kann Oskar offen reden.
O-Ton: Man tut immer so, als käme man nur in ein Krankenhaus, um gesund zu werden. Dabei kommt man auch rein, um zu sterben. Da hast du Recht, Oskar. Und ich glaube, dass wir beim Leben den gleichen Fehler machen. Wir vergessen, dass das Leben zerbrechlich ist, verletzlich und vergänglich, und tun, als wären wir unsterblich.
Autor: Wenn wir aber merken, dass wir nicht unsterblich sind - wie sollen wir reagieren? Wie sollen wir mit dem Tod umgehen - mit dem eigenen, mit dem eines anderen Menschen oder gar mit dem Tod eines Kindes? Dieser Frage stellt sich das Buch Oskar und die Dame in Rosa. Der französische Autor Eric-Emmanuel Schmitt macht darin Mut, möglichst offen über den Tod zu sprechen. Gerade mit denjenigen, die bald sterben müssen. Alles andere macht die Situation nur noch schlimmer, als sie ohnehin schon ist. So jedenfalls erlebt es Oskar mit seinen Eltern.
O-Ton: Sie fürchten sich vor mir. Sie trauen sich nicht, mit mir zu reden. Und je weniger sie sich trauen, um so mehr komm ich mir wie ein Monster vor.
Autor: Oskar weiß weder, wie er mit seinen Eltern umgehen soll, noch wie er mit seinen eigenen Ängsten zurechtkommen kann.Da hat Oma Rosa einen verwegenen Vorschlag:
O-Ton: Und wenn du an den lieben Gott schreiben würdest, Oskar?
Autor: Im ersten Moment kann Oskar mit dieser Idee nichts anfangen. Aber Oma Rosa überzeugt ihn:
O-Ton: Vertrau ihm deine Gedanken an. Gedanken, die man nicht ausspricht, machen schwer. Das sind Gedanken, die sich festhaken, dich belasten und dich erstarren lassen, Gedanken, die den Platz wegnehmen für neue Ideen und in dir verfaulen. Du wirst zu einer Müllhalde voller alter Gedanken, die zu stinken anfangen, wenn du sie nicht aussprichst.
Autor: Oskar lässt sich auf diesen Vorschlag ein. Er beginnt, jeden Tag einen Brief an Gott zu schreiben. So lernt er, sich Gott anzuvertrauen. Und es gelingt ihm, seine letzten Tage ganz intensiv zu erleben, ohne sich verzweifelt an das Leben zu klammern. Schließlich kann er sich sogar mit seinen Eltern aussprechen. Als Oskar stirbt, haben die Menschen in seiner Umgebung gelernt, den Tod als eine Realität zu akzeptieren. Natürlich sind sie trotzdem traurig, als sie von Oskar Abschied nehmen müssen. Aber die Auseinandersetzung mit seinem Sterben hilft ihnen, weiter zu leben. Insbesondere Oma Rosa erkennt, wie viel sie Oskar verdankt. Deshalb schreibt sie schließlich auch einen Brief an Gott:
O-Ton: Dank seiner habe ich gelacht und Freude empfunden. Er hat mir geholfen, an Dich zu glauben. Ich bin so voll von Liebe, dass sie mich die paar Jahre, die mir noch bleiben werden, erfüllen wird. Bis bald, Oma Rosa.
"Oskar und die Dame in Rosa"
|