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Den Tag nutzen
Guten Morgen! sagte mein Radiowecker.Aufwachen! Ein schöner Tag beginnt. - Oh nee, brummte ich schlaftrunken.
Nicht schon wieder! Warum kannst du mich nicht ganz normal mit Musik begrüßen wie andere Wecker auch?
Ich finde einfach, es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Dialog, antwortete mein Wecker fröhlich.
Und warum kann nicht mein Computer das Sprechen übernehmen? Oder die Mikrowelle? Irgendein Gerät halt, mit dem ich tagsüber zu tun habe und nicht am frühen Morgen, wenn ich überhaupt noch nicht richtig wach bin!
Also, wenn du möchtest, kann ich die Mikrowelle mal fragen
Nein, bloß nicht! Vergiss es! Ein sprechendes Gerät im Haus reicht mir völlig! Sag mir lieber, was du von mir willst.
Ich wollte bloß mal fragen, was du heute so vorhast.
Dieser Satz kam so unschuldig daher, dass er verdächtig nach einer Falle klang. Aber so auf die Schnelle konnte ich keinen Haken an der Sache entdecken. Also antwortete ich wahrheitsgemäß: Na ja, ich steh jetzt auf, geh duschen, mich anziehen und frühstücken. Und dann ab zur Arbeit.
Und was machst du nach der Arbeit?
Na, was soll ich schon machen? Ich komm nach Hause, esse ein bisschen was und setz mich vor den Fernseher. Normaler Alltag eben.
Und sonst? fragte mein Radiowecker.
Wie - und sonst?
Ja, ist das alles? Kommen keine Menschen in deinem Tagesablauf vor?
Doch schon. Klar, die Kollegen. Der Chef. Meine Frau auch. Wir gucken ja oft auch zusammen Fernsehen.
Also, langsam geht mir echt der Strom aus, wenn ich dir so zuhöre. Der ganze Tag liegt noch vor dir und du hast nichts anderes im Sinn als Alltagstrott! Ist das nicht ein bisschen wenig?
Immer noch besser als den ganzen Tag auf meinem Nachttisch rumzustehen und immer mal wieder kluge Reden zu halten, knurrte ich.
Lass bitte die Retourkutschen, erwiderte mein Radiowecker spitz. Dass jeder seine Arbeit zu tun hat, ist klar. Ich mach hier meinen Job im Haus, du deinen im Büro. Aber das kann doch nicht alles sein! Glaubst du im Ernst, dass Gott dir diesen Tag schenkt, damit du ihn ausschließlich mit Arbeit und Alltagstrott füllst?
Bis jetzt hab ich diesen Tag überhaupt noch nicht als Geschenk betrachtet, bemerkte ich.
Genau das ist das Problem, stellte mein Wecker fest.
Und welche Beschäftigung wäre deiner Meinung nach in Gottes Sinne? fragte ich.
Du könntest zum Beispiel jemanden zum Lachen bringen, schlug er vor. Auf irgendeine nette, freundliche Weise. Und am besten selber kräftig mitlachen. Wenn du zum Beispiel heute Abend deinen alten Freund Kalli anrufst
Oh je, bei dem hab ich mich schon lange nicht mehr gemeldet.
Stimmt. Aber wenn ihr miteinander redet, tut euch beiden das eigentlich immer gut. Und zu lachen gibts in der Regel auch was.
Hm. Das klingt verlockend. Aber dass Lachen in Gottes Sinne ist, darauf bin ich bis jetzt nicht gekommen. Ich dachte, bei ihm müsse man immer nur beten.
Also, wenn du mich fragst, ist alles in Gottes Sinne, was das Leben zur Entfaltung bringt. Und da gehört Lachen ganz bestimmt dazu. Aber wenn du dir ein bisschen Mühe gibst, findest du heute bestimmt auch noch etwas Zeit zum Beten.
Du, hör mal! Für das Thema hab ich jetzt echt keine Ruhe. Ich muss aufstehen, sonst komm ich zu spät zur Arbeit. Ich hoffte nur, dass das nicht zu sehr nach Ausrede klang.
Aber mein Radiowecker antwortete ungerührt: Gut, wenn du willst, können wir ja morgen darüber reden.
Ne, komm, bitte. Gib mir einen Tag Pause, ja?
Okay, sagte mein Radiowecker, dann melde ich mich übermorgen wieder. Und schaltete auf WDR 2 um.
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