Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.07.11, Joachim Gerhardt

Erfindergeist

Unglaublich, aber wahr. Wesentliche Erfindungen, die für uns heute selbstverständlich sind, verdanken wir dem Forschergeist von Pfarrern und Priestern.

Frommsein und Fortschritt, Glaube und Naturwissenschaften, Religion und Biologie schließen sich mitnichten aus. Auch wenn gerade aus den USA immer mehr, vermeintlich christliche Stimmen das behaupten. 

O-Ton: Die beiden, die wohl jeder kennt sind Sebastian Kneipp und Gregor Mendel mit der Vererbungslehre.
 
Autor: Erbsen zählen nach Art von Pater Gregor Mendel ist die Grundlage aller Genetik. Das lernt heute jedes Kind in der Schule. Der Bonner Wissenschaftsjournalist Eckart Roloff hat sich intensiv mit dem Phänomen beschäftigt, dass so viele bahnbrechende Erfindungen, gerade in Pfarrhäusern und Klöstern geschehen sind.

O-Ton: Mein Prototyp, mein Oberheld, ist schon der Schäffer, der protestantische Waschmaschinenerfinder. Wenn man das Leuten erzählt, das glauben die im Leben nicht, dass das möglich ist. Da gibt es wunderbare Beispiele: August Musger, ein Grazer, österreicherischer Kaplan. Der war Pionier und hat sich um die Zeitlupe verdient gemacht …
 
Autor: … das Kopiergerät, der Leserbrief, Rechenapparate, die Telegrafie. Die Liste geistlicher Erfindungen ist lang. Glauben und Forscherdrang sind eben doch keine Gegensätze. Das eine ist vielleicht sogar der Nährboden für das andere. Dem Priester und Genetik-Vater Gregor Mendel ging es nicht darum, Gott ins Handwerk zu pfuschen. Vielmehr war sein Glaube stets die Voraussetzung für seinen Forscherdrang:

O-Ton: Das war für ihn wichtig und die anderen auch, die Schöpfung zu ergründen, das galt durchaus Gottes Lob, was hat der Schöpfer getan, was kann ich davon verstehen, wie kann ich das auch weiterpflegen. Aufklärer. Das war gar kein Widerspruch.

Autor: Ich glaube das auch: Gott lässt sich nicht vom Menschen entschlüsseln wie eine DNA-Kette. Vielmehr offenbart  er sich gerade durch besonders schöpferische Menschen. Verstand und Technik sind ja auch Gottes Gaben.

O-Ton: Richtig, das gehört zusammen. Das schließt sich nicht aus. Und daraus sollte man etwas machen. Und das ist ja auch im christlichen Sinne, dass die Begabungen, die Talente, die man hat – das man daraus etwas macht.

Autor: Pater und Pfarrer wie der Genforscher Mendel, der Gesundheitsforscher Kneipp und der  Waschmaschinen-Erfinder Schäffer machen Mut, auch als frommer Mensch seinen Verstand zu gebrauchen. Ob das immer in sinnvollen Dingen endet, steht auf einem anderen Papier. Immerhin ist ja auch das Schwarzpulver, also das Schießpulver, eine fromme Erfindung. Es soll ein Freiburger Franziskanermönch gewesen sein. Aber das ist ja kein Argument gegen geistlichen Erfindergeist, sondern eher die Frage, was wir daraus machen.


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Eckart Roloff: Göttliche Geistesblitze – Pfarrer und Priester als Erfinder und Entdecker (Reihe: Erlebnis Wissenschaft), Wiley-VCH-Verlag, 334. S. mit vielen Abb., 24,90 €.

 

Audiobeitrag Erfindergeist


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