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Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig
Was war ich stolz, als ich meine erste E-Mail bekommen habe. Heute habe ich Angst, wenn ich mein Outlook aufmache. Jeden Tag dutzende von Mails.
Mehr als die Hälfte ist Müll, aber das sieht man ja nicht auf den ersten Blick, die muss man sich alle einzeln anschauen, damit nichts Wichtiges verloren geht. Von dem Rest sind wiederum die Hälfte, Nachrichten, die mich eigentlich nichts ange-hen. Jemand hat seine elektronische Post mal wieder an zehn verschiedene Leute geschickt, die vielleicht ansatzweise was mit der Sache zu tun haben könnten. Soll ich antworten, oder ignorieren? Ach, es ist ein Kreuz mit der neuen Technik! Aus der Bibel habe ich neulich einen Satz gehört, den müssten sich mal alle hinter die Ohren schreiben: Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. Das hat der Apostel Paulus geschrieben. Der meinte damit bestimmt keine E-Mails, aber irgendwie spricht mich dieser Satz total an. Man müsste viel mehr miteinander re-den, statt nur zu schreiben. Gut, Paulus hat auch geschrieben, aber Briefe und keine E-Mails. Die Briefe hat er per Boten in die Gemeinden geschickt, mit denen er Dis-kussionen hatte. Aber diese Boten konnten den Leuten auch erklären, wie das ge-meint war und hinterher ist Paulus selbst dort hingefahren und hat mit den Menschen geredet. Ja, der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. Lange Zeit war der Brief aus Papier, die einzige Möglichkeit seine Gedanken über große Entfernungen zu schicken. Dann kam der Siegeszug des Telefons und man hat wieder miteinander geredet. Heute wird wieder mehr geschrieben. Per E-Mail schicke ich schnell meine Gedanken in die Welt, am besten gleich an alle, die ich kenne.
Damals hatte ich noch den Weg zum Briefkasten vor mir und musste in der Schlange stehen, um eine Briefmarke zu erwerben. Ich wäre auch nicht auf die Idee gekom-men, mir gleich zehn davon zu kaufen, um den Brief noch an neun weitere Personen zu schicken, denn ich hätte ihn dazu auch noch neun mal abschreiben müssen. Während ich in der Schlange wartete, hätte ich mir noch überlegen können, ob das so alles richtig ist, was ich da geschrieben habe. Ich hätte die Chance gehabt, aus der Schlange heraus zu treten, den Brief zu zerreißen und hätte dazu noch das Geld für die Marken gespart. Doch diese Hemmschwelle ist heute nicht mehr da. Es wird gemailt, was das Zeug hält, dabei sollte man manchmal lieber mit einander sprechen, dann würde man viel Verwirrung und manche Verletzung vermeiden.
Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.
Buchstaben sind dazu da, um Erfahrungen zu konservieren. Aber jede Konserve, verliert an Geschmack. Vergleichen Sie frisch gepflückte Erdbeeren mit eingekochten aus der Dose! Die Konserve wird dabei auf jeden Fall schlechter wegkommen. Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. Diese Worte bestehen auch aus Buchstaben, die sogar in der Bibel stehen! Aber letztlich sind es nicht diese Buchstaben allein, die Menschen zu Christen werden lassen. Die wenigsten Men-schen kommen allein durch das Lesen der Bibel zum christlichen Glauben. Sie wer-den dazu durch Menschen bewegt, die ihnen ein Leben vorleben, so wie Jesus es gezeigt hat. Ein Leben in Liebe, Vergebung und Mitmenschlichkeit. Und dazu muss ich mit anderen reden, damit der Geist spürbar wird, der hinter den Buchstaben steckt. Also lieber mal eine E-Mail weniger schreiben, dafür ein paar Worte mehr re-den. Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.
Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig
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