Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.07.11, Pfarrer Eberhard Helling

Das Schöpferwort am frühen Morgen (eg 452, 1+2+5)

Je nachdem, wie ich morgens geweckt werde, wirkt sich das auf den Rest des Tages – auf jeden Fall auf den Rest des Morgens aus.

Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer! Martin Luther hat davon gewusst und deswegen hat er ein Morgengebet geschrieben, um einen guten Start in den Tag zu haben. Dieses Gebet wird auch Luthers Morgensegen genannt. Und der hört sich so an:

Sprecherin: Ich danke dir, mein himmlischer Vater durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast und bitte dich: du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle, denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Dieses Gebet ist häufig Grundlage für Morgenlieder geworden. Ein Dichter aus dem 20 . Jahrhundert, der sich Luthers Gebet zueigen gemacht hat, ist Jochen Klepper. Er hat vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus schreckliche Erfahrungen machen müssen. Ob er deswegen so behutsam den Morgen mit seinem Gedicht beginnen lässt? Als ob er sich selber sagt: meine schrecklichen Erfahrungen sind nicht alles; sie sind nicht  das, womit mein Tag beginnt. Nein: mein Tag beginnt mit Gott! Und so hört sich Kleppers Morgensegen an:

Sprecherin:
1. Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor,
daß ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

2. Er spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf.
Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als sein Ruf.
Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört,
erfahre ich aufs neue so, wie ein Jünger hört.

5. Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht,
verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht;
will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag.
Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

Autor: Bei Klepper spürt man richtig, wie Gott einem liebevoll am Ohr zupft und: Aufstehen! hinein sagt. Aufstehen! – das ist schon immer Gottes Wort gewesen, von Anbeginn der Schöpfung. Durch dieses Wort begrüß ich den neuen Tag – sagt Jochen Klepper. Luther hat in seinem Gebet zu Beginn formuliert: Ich danke dir, mein himmlischer Vater durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn. Jesus Christus, der ist das Wort Gottes, also Gottes Mitteilung an mich und an die ganze Welt. Und in seiner Geschichte erfahre ich auf ganz verschiedene Weise, dass ich aufstehen darf – egal wie schwierig und unübersichtlich mein Tag heute werden wird. In der Geschichte von Jesus Christus, von Gottes Wort erfahre ich auch, dass ich einmal auferstehen werde, wenn alle anderen mich schon längst abgeschrieben haben. Mit diesem Wort kann ich den Tag gut beginnen.

Ich wünsche Ihnen heute ein gutes Aufstehen. Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke

Audiobeitrag Das Schöpferwort am frühen Morgen (eg 452, 1+2+5)


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