Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.06.11, Pfarrer Eberhard Helling

das Morgengespräch (eg 446,1-4)

Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer! Morgens hab ich nach dem Aufwachen manchmal noch ganz merkwürdige Stimmen im Ohr;

Stimmen, die von den Träumen noch übriggeblieben sind. Da ist es ausgesprochen hilfreich für mich, sich auf die Stimmen zu konzentrieren, die mir gut tun.

Keinem geringeren als Martin Luther scheint es ähnlich gegangen zu sein. Er empfiehlt nämlich, am Abend vor dem Einschlafen und am Morgen nach dem Aufwachen sich dem Gesprächspartner zu widmen, der es auf jeden Fall gut mit einem meint: Gott. Darum schreibt Luther ein Abend- und ein Morgengebet. Diese beiden Gebete klingen ähnlich; sie werden auch Luthers Abend-, bzw. Morgensegen genannt. Der Morgensegen hört sich so an:

Sprecherin: Ich danke dir, mein himmlischer Vater durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast und bitte dich: du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle, denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Autor: Dieses Gebet ist häufig Grundlage für Morgenlieder geworden. In dieser Woche stelle ich Ihnen verschiedene Liedvarianten von Luthers Morgensegen vor; heute eine, in der solch ein Gespräch zwischen Gott und mir aufgezeichnet worden ist. In diesem Gespräch geschieht etwas, was in jeden echten, guten Gespräch passieren sollte: ich gehe aus diesem Gespräch klüger heraus, als ich hineingegangen bin – jedes Mal, wenn ich dieses Lied singe, ergeht mir das so! Denn hier erzählt mir Gott etwas, was ich mir selbst niemals allein hätte sagen können: dass ich in der Zeit der Nacht, der Dunkelheit verschiedensten Angriffen ausgesetzt war. Davon hab ich vielleicht noch gar nichts mitbekommen. Natürlich nicht – Gott hat diese Angriffe ja auch  abgewehrt; und er hat mir versprochen: ich soll das Licht wieder sehen, soll aus dem Schlaf wieder aufstehen. Und genau das ist passiert – ich bin aus dem Schlaf aufgewacht. Ich habe also allen Grund meinem Schöpfer zu danken.

Der Liederdichter Paul Gerhardt hat dieses Gespräch zwischen Gott und mir so ausgedrückt:

Sprecherin:
1. Wach auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge,
dem Geber aller Güter, dem frommen Menschenhüter.

2. Heut, als die dunklen Schatten mich ganz umgeben hatten,
hat Satan mein begehret; Gott aber hat's gewehret.

3. Du sprachst: »Mein Kind, nun liege, trotz dem, der dich betrüge;
schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen.«

4. Dein Wort, das ist geschehen: Ich kann das Licht noch sehen,
von Not bin ich befreiet, dein Schutz hat mich erneuet.

Autor: Ich weiß ja nicht, welche Gespräche sie heute noch führen müssen, liebe Hörerin, lieber Hörer. Aber wenn sie heute mit diesem guten Gespräch im Herzen in die anderen Gespräche hineingehen, dann soll es wohl ein guter Tag werden. Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke

Audiobeitrag das Morgengespräch (eg 446,1-4)


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen