| |
Was alles so dazugehört (eg 443, 1.2.4)
Mit klaren und guten Gedanken einzuschlafen und dann mit solchen Gedanken auch wieder aufzuwachen, das tut gut, ist erholsam und gibt Zuversicht für das,
was heute ansteht.
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer! Das wollte Martin Luther erreichen, Zuversicht vermitteln; deswegen hat er ein Abend- und ein Morgengebet geschrieben. Diese beiden Gebete klingen ähnlich; sie werden auch Luthers Abend-, bzw. Morgensegen genannt. Der Morgensegen hört sich so an:
Sprecherin: Ich danke dir, mein himmlischer Vater durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast und bitte dich: du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle, denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.
Autor: Dieses Gebet ist immer wieder Grundlage für Morgenlieder gewesen. In dieser Woche stelle ich Ihnen verschiedene Varianten vor - heute, eine Variante vom wichtigsten Dichter im Evangelischen Gesangbuch: Paul Gerhardt. Der kann aus kleinen Details ganz viel herausholen und so den Reichtum aufzeigen der in unscheinbaren Dingen und Verhältnissen steckt. Mir hilft das am frühen Morgen. Durch den Schlaf und die Nacht noch etwas benebelt, ist mir nämlich zunächst noch unklar, wer ich bin, wohin ich gehöre und was eigentlich zu mir gehört. Paul Gerhardt hilft mir mit seinem Lied, mich zu orientieren, Klarheit zu gewinnen, die Nacht- und Nebelgedanken zu überwinden. Aber: diese Gedanken stellen sich nicht nur in der Morgendämmerung ein, sie können mich am hellen Tag, bei klarem Bewusstsein überfallen: dann verliert auf einmal alles seine Konturen. Ich komme mir verloren vor, keiner da, der zu mir hält, ich bin dann ein ganz armer Wicht. Paul Gerhardt stimmt ein anderes Lied an das klingt so:
Sprecherin: 1. Aus meines Herzens Grunde sag ich dir Lob und Dank in dieser Morgenstunde, dazu mein Leben lang, dir, Gott, in deinem Thron, zu Lob und Preis und Ehren durch Christus, unsern Herren, dein' eingebornen Sohn,
2. daß du mich hast aus Gnaden in der vergangnen Nacht vor G'fahr und allem Schaden behütet und bewacht, demütig bitt ich dich, wollst mir mein Sünd vergeben, womit in diesem Leben ich hab erzürnet dich.
4. Mein' Leib und meine Seele, Gemahl, Gut, Ehr und Kind in dein Händ ich befehle und die mir nahe sind als dein Geschenk und Gab, mein Eltern und Verwandten, mein Freunde und Bekannten und alles, was ich hab.
Autor: Wenn ich mir das klar mache, was alles zu mir gehört: mein Körper und meine Seele, dann all die Menschen, die mir wichtig und wert sind, schließlich all die Dinge, die ich habe so vieles gehört zu mir wenn ich mir das also klarmache, dann brauch ich mir nicht verloren vor zu kommen. Und ich gehöre zu so vielen anderen dazu und so viele andere gehören zu mir und all das als Geschenk Gottes für mich?! das macht mich auf eine besondere Weise reich. Ich gehe nicht verloren. Wenn ich mir das gleich am Morgen klar machen kann, dann wird dies ein guter Tag und den wünscht Ihnen Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.
Was alles so dazugehört (eg 443, 1.2.4)
|