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Der Tag bricht an (eg 438)
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer! Mit guten Gedanken aus dem alten Tag herauszukommen und mit solchen Gedanken auch wieder aufzuwachen
und in den neuen Tag hineinzukommen, das wollte Martin Luther.
Deswegen hat er ein Abend- und ein Morgengebet geschrieben. Diese beiden Gebete klingen ähnlich; sie werden auch Luthers Abend-, bzw. Morgensegen genannt. In dieser Woche stelle ich Ihnen verschiedene Vertonungen des Morgensegens vor. Der hört sich so an:
Sprecherin: Ich danke dir, mein himmlischer Vater durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast und bitte dich: du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle, denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.
Autor: Die älteste Vertonung kommt von einem Zeitgenossen Luthers, Michael Weiße.
Das ist ein Mann gewesen, der sich zwischen alle Stühle gesetzt hat. Zumindest ist das mein Eindruck von ihm. Wenn der morgens aufgewacht ist, dann hat er sich schon überlegen müssen: mit wem muss ich mich heute treffen; was muss ich dem noch sagen? Mit wem darf ich es mir auf keinen Fall verderben? Und wem sollte ich jetzt heute einmal richtig auf die Füße treten?! Er kommt aus dem Böhmischen, er schließt sich der Bewegung der böhmischen Brüder an, nimmt Kontakt zu Martin Luther auf, reist wenigstens 5-mal zum großen Reformator, um mit ihm geistliche und organisatorische Fragen zu besprechen. Michael Weiße war viel unterwegs in seinem Leben äußerlich und innerlich. Das drückt er auch in seiner Variante von Luthers Morgensegen aus: in diesem Leben sind wir Pilgersleute, Menschen, immer noch auf dem Weg, Menschen, die erst noch ankommen müssen jeden Tag.
Auf dem Weg durch den Tag kann viel passieren, keine Frage. Aber wir haben am Morgen eine ganz wichtige Erfahrung schon hinter uns. Meistens ist uns das gar nicht bewusst. Deswegen betont es Michael Weiße in seinem Lied gleich zu Beginn: wenn wir am Morgen aufwachen, dann haben wir eine Zeit von völliger Hilflosigkeit hinter uns, den Schlaf. Wenn wir also nach einer Zeit von völliger Hilflosigkeit wieder aufwachen und aufstehen können, dann hat uns jemand in dieser Zeit behütet nämlich Gott! Das ist die Logik des frommen Mannes. Und genau dies wünscht er sich auch für den neuen Tag.
Sprecherin: 1. Der Tag bricht an und zeiget sich. O Herre Gott, wir loben dich, wir danken dir, du höchstes Gut, daß du uns die Nacht hast behüt';
2. bitten dich auch: behüt uns heut, denn wir allhier sind Pilgerleut; steh uns bei, tu Hilf und bewahr, daß uns kein Übel widerfahr.
Autor: Vielleicht sind sie, liebe Hörerin und lieber Hörer heute noch viel unterwegs innerlich oder äußerlich. Aber dass ihnen auf ihren Wegen nichts Böses, kein Übel widerfahren möge - das wünsche ich Ihnen, Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.
Der Tag bricht an (eg 438)
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