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Hören statt empören (Jakobus 1,19-20)
Man regt sich ja gerne auf. Gestandene Politiker kriegen ohne die Kopierfunktionen ihres Computers die Doktorarbeit nicht gebacken.
Bekannte Führungspersönlichkeiten haben ihre Männlichkeit nicht im Griff. Und prominente Tombola-Beauftragte beziehen für ihren Platz an der Sonne Gehälter, von denen nicht nur diejenigen träumen, die im Schatten sind. Klar, dass man da einen roten Kopf bekommt. Und damit sich die gesunde Gesichtsfarbe auch nicht so bald wieder einstellt, werfen bunt bebilderte Zeitungen mit fett gedruckten Schlagzeilen noch ein paar Extrascheite in die Glut.
Empörung ist menschlich, denn es gibt keinen von uns, den sie nicht regelmäßig erfassen würde. Christlich ist sie dagegen nur sehr bedingt. Dabei ist es nicht die Empörung also solche, die unchristlich wäre. Es ist das Tempo, in dem wir uns aufregen, das Tempo, in dem wir uns eine Meinung bilden, und das Tempo, in dem wir sie äußern.
Die besinnungslose, übereilte Empörung hat auch der Autor des Jakobusbriefes im Auge, wenn er schreibt, welches Verhalten er von seinen christlichen Lesern erwartet: Ein jeder Mensch sei schnell, was das Hören angeht, langsam, was das Reden angeht, langsam, was die Empörung angeht! Er begründet auch, warum er diese Art zu handeln für angebracht hält und schreibt weiter: Die Empörung des Menschen bringt nichts zustande, was vor Gott recht ist.
Und auch nichts, was dem Menschen nützt, so möchte man hinzufügen. Was bewirkt denn Empörung normalerweise? Außer einem erhöhten Adrenalinspiegel in der Regel kaum etwas. Das Weltgeschehen nimmt seinen Lauf, ob wir uns darüber aufregen oder nicht. Und wenn wir schon etwas verändern wollen, so werden wie dies bestimmt nicht tun, indem wir gemütlich beim Frühstück die Schlagzeilen überfliegen oder beim Abendessen fröhlich durch die Fernsehprogramme zappen.
Ich bin mir dagegen sicher, dass von uns eine verändernde Kraft ausgeht, wenn wir uns die Mühe machen, genauer hinzuhören. Und das gilt natürlich vor allem gegenüber den Menschen, mit denen wir es persönlich zu tun haben. Wer zuhört, lernt verstehen. Wer versteht, der erfährt, worum es im Kern der Sache eigentlich geht. Und wer das weiß, der wird dann zu gegebener Zeit schon sagen, was zu sagen ist. Ohne roten Kopf, mit sicherem Urteil und guten Argumenten.
Durchs Hören, nicht durchs Empören werden wir die Welt davor bewahren zu bleiben, wie sie ist. Und wie klein unser Beitrag dabei auch immer sein mag, wir leisten damit etwas, das vor Gott und den Menschen recht ist.
Hören statt empören (Jakobus 1,19-20)
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