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Flashmob
Es ist Samstag Morgen, zehn nach elf, und die Kirchenglocken läuten. Eigentlich sind die Glocken der Petri-Kirche im ostwestfälischen Versmold ein Symbol der Verlässlichkeit.
Nicht jedoch an diesem Morgen, denn um zehn nach elf läuten die Glocken sonst nie. Aber das ist erst der Anfang der Seltsamkeiten. Plötzlich strömen aus allen Richtungen Menschen auf die Kirchwiese. Sie tragen bunte Pappschilder in rot, gelb, grün und weiß. Wie von einer unsichtbaren Regie geordnet stellen sie sich auf dem Rasen auf. Und dann heben alle 150 zugleich ihre Schilder über den Kopf. Von oben gesehen bilden sie ein Kreuz mit gelbem Querbalken und rotem Stamm, aus dem im unteren Teil ein grünes Blatt wächst das Logo der Versmolder evangelischen Gemeinde. Eine gute Minute dauert die Aktion. Dann löst sich die Menge auf und der Platz liegt da, als wäre nichts geschehen.
Das Ganze war ein sogenannter Flashmob. Zu deutsch eine Blitzmasse, ein überraschender und scheinbar spontaner Menschenauflauf. Über Internet, Handies und Mundpropaganda waren viele Gemeindeglieder aufgefordert worden, um elf Uhr zur Kirche zu kommen. Dort hatten sie die Schilder bekommen und erfahren, was sie zu tun hatten. Beim Geläut strömten sie auf den Platz und bildeten das Logo. Von ehrenamtlichen Helfern war diese scheinbar so spontane Aktion jedoch gründlich vorbereitet worden. Die Herstellung der Schilder. Die Logistik, damit jeder seinen Platz fand. Und vor allem die filmische Ausrüstung der vier Kameraleute. Von einem Hubsteiger und einer Drehleiter der Feuerwehr aus konnten sie alles beobachten. Denn die Aktion wurde dokumentiert für einen Film, mit dem sich die Gemeinde in Zukunft präsentieren will.
Das ganze war ein Riesenspaß. Bei strahlendem Sonnenschein herrschte gute Laune. Alle waren froh, dabei zu sein.
Im Zeitalter von Facebook und Twitter gibt es immer mehr Flashmobs. Menschen wollen auf ein Thema aufmerksam machen, das ihnen am Herzen liegt. Der Versmolder Flashmob war in meinen Augen ein wunderbares Symbol. Paulus schrieb in einem seiner Briefe, dass alle in der Gemeinde sozusagen einen Leib bilden. Die Menschen sind so unterschiedlich wie die Organe eines Körpers: Jeder ist anders, aber alle werden gebraucht. Nur gemeinsam können sie leben und handeln.
Der Flashmob hat das auf moderne Weise gezeigt. Zuerst braucht es Menschen, die eine gute Idee haben. Dann sind Leute wichtig, die andere vom Mitmachen überzeugen. Einige müssen ein Organisationstalent haben und andere Geschick im Basteln. Die einen müssen sich in der neusten Kommunikationstechnik auskennen, die anderen in der ganz traditionellen Mundpropaganda. Und im richtigen Moment müssen alle da sein. Sie müssen sich in ein großes Ganzes einfügen und dürfen trotzdem sie selbst bleiben. So nahm sich der Bürgermeister von der SPD natürlich eine rote Pappe. Alle zusammen geben als Gemeinde ein gutes Bild ab. Ein Logo, viele Gemeindeglieder. Von oben konnte man es sehen. Und im Himmel herrschte hoffentlich große Freude.
Flashmob
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