Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.06.11, Bernd Tiggemann

Dislike! Gefällt mir nicht!

Jetzt ist Schluss mit lustig. Denn immer nur lustig, kann ganz schön auf die Nerven gehen. Zum Beispiel in sozialen Netzwerken.

Da werden witzige Filme miteinander geteilt; viele schreiben, was sie Cooles entdeckt haben oder gerade machen; und alle, die es sehen, klicken fleißig den "Gefällt mir"-Button.

Ehrlich gesagt: das gefällt mir gar nicht. Denn wenn ich immer nur das Positive sehe, das, was mir gefällt, dann nehme ich nur einen Teil der Wirklichkeit wahr. So ist die Welt aber nicht. Da gibt es viele Sachen, die mir überhaupt nicht gefallen. Wenn die 1Live-Infos melden, dass im Atomkraftwerk von Fukushima eine Kernschmelze eingesetzt hat, dann finde ich das weder cool noch witzig. Und wenn bei Stuttgart 21 Demonstranten verletzt werden, dann möchte ich nicht auf den Button "Gefällt mir" klicken.

Darum fänd ich's cool, wenn es in den sozialen Netzwerken den Button "Gefällt mir nicht" gäbe. Dann hätte ich nämlich die Möglichkeit zu protestieren, also aufzustehen und den Mund aufzumachen gegen Unrecht, Gewalt und Ausbeutung. So wie Jesus das vor 2000 Jahren gemacht hat.

Zugegeben: Jesus hat auch gern gefeiert. Aber immer nur lustig war der auch nicht. Wenn es drauf ankam, hat er den Mund aufgemacht und unbequeme Wahrheiten ausgesprochen.

Das tue ich jetzt auch. Liebe Facebook-Betreiber: ich protestiere hiermit offen gegen die Tatsache, dass ich bei euch nicht protestieren kann. Auch auf die Gefahr hin, dass viele meiner Freunde das überhaupt nicht lustig finden.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Dislike! Gefällt mir nicht!


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