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Der Parkschein
Mensch, fahr doch zu!, rief ich, als der Mann vor mir seinen PKW fast um die Kurve trug. Gut, dass mich niemand in meinem Auto hören konnte.
Ich war in Eile, denn ich würde zu spät zu meinem Termin kommen. Dafür konnte mein Vordermann natürlich nichts aber in diesem Augenblick ärgerte ich mich: Es ging nicht so schnell vorwärts, wie ich es gern gehabt hätte. Und jetzt steuerte der Fahrer auch noch auf den Parkplatz zu, auf dem ich parken wollte. Kaum dass mein Wagen stand, raste ich zum Parkautomaten. Der Fahrer des anderen PKWs hatte sein Ticket schon gezogen und war wieder auf dem Rückweg - da drehte sich noch einmal um und steuerte auf mich zu.
Ich überlegte schnell, da mich mein schlechtes Gewissen längst gepackt hatte: Hatte der Mann meinen Wutausbruch im Rückspiegel beobachtet? Und würde er mich darauf ansprechen? Kurz vor dem Automaten holte er mich ein. Guten Morgen!, begrüßte er mich freundlich. Ich muss jetzt doch wieder gleich los...Wollen Sie mein Parkticket haben? Der Mann hielt mir lächelnd seinen Parkschein hin.
Verdutzt schaute ich ihn an: Ja, äh, gern. Vielen Dank! Gern geschehen! Schönen Tag noch! Danke! Ihnen auch!, stammelte ich während ich mir wünschte, dass der Boden sich unter mir auftun würde.
Der Mann ging zu seinem PKW zurück. Ich überprüfte den Parkschein: Er war tatsächlich für heute gültig sogar etwas länger, als ich brauchen würde.
Während ich den Schein hinter der Scheibe ablegte, fuhr der Mann wieder los. Er winkte mir zum Abschied. Ich winkte freundlich zurück.
Statt weiter in Eile zu meinem Termin zu hetzen, ging ich nun ruhiger weiter. Ich schämte mich! Ich schämte mich, weil genau der Mensch, über den ich mich so ungerecht aufgeregt hatte, so freundlich zu mir war. Ohne es zu wissen, hatte dieser Mann mir etwas Unbezahlbares geschenkt: Es waren nicht die zwei Euro, die ich durch diesen Parkschein sparte! Es waren seine Freundlichkeit und Großzügigkeit, die mich beeindruckten!
Ich glaube, mit Gott ist es ähnlich: Oft klage ich Gott für das an, was in meinem Leben schief geht. Dabei bin ich für meine Entscheidungen selbst verantwortlich: Ob ich pünktlich losfahre, ob ich mich stressen lasse, ob ich von einer Sache zur nächsten hetze. Gott nimmt mir nicht die Entscheidung ab, wie ich mich verhalte. Aber er will mir helfen, mit meinem Leben klar zu kommen.
An diesem Morgen war dieser Parkschein für mich eine Hilfe Gottes. Ich bekam etwas Gutes, das mir half, wieder runterzufahren. Wie komme ich dazu, dieses Erlebnis mit Gott zu verbinden? Weil die Bibel immer wieder das Wesen Gottes beschreibt: Gott ist gütig. Gott liebt seine Schöpfung. Gott liebt seine Menschen. In Jesus Christus wird Gott ein Mensch, der den Menschen hilft. Die Bibel berichtet an vielen Stellen davon, dass Gott Menschen braucht, die ihm helfen ob es ihnen bewusst ist oder nicht. Ich glaube darum nicht an Zufälle oder Glück ich glaube, dass alles, was gut ist und hilft, eine Gabe, ein Segen Gottes ist. In meinem Fall war es eine freundliche Geste, die mich Ungeduldigen an eine biblische Weisheit erinnerte:
Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn. (Jakobus 1,19) Das möchte ich auch heute wieder tun: Schnell bereit sein, anderen aufmerksam zuzuhören. Dafür meine Worte wohl bedacht zu wählen. Und vor allem: Mich nur langsam aufregen
Die nötige Gelassenheit wünscht Ihnen heute Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund.
Der Parkschein
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