|
Schatten der Vergangenheit
Überraschung!Als ich den Brief öffne, ist es eine Einladung zu einem Klassentreffen. 20 Jahre ist das jetzt schon her, dass wir uns gesehen haben.
Natürlich werde ich mit dabei sein! Als ich über die Einladung weiter nachdenke, bin ich etwas aufgeregt.
Werde ich die anderen nach so langer Zeit wiedererkennen? Werden die anderen mich wiedererkennen? Hat mein schüchterner Banknachbar doch noch Karriere gemacht? Ob unser Klassenclown immer noch so witzig ist? Und wie sieht wohl heute das Mädchen aus, in das ich mal verknallt war?
Bestimmt werden wir über die Schulzeit sprechen und was aus uns heute geworden ist. Bist du verheiratet? Hast du Kinder? Was machst du beruflich? Und schon bin ich - dank der Einladung zum Klassentreffen unversehens mitten drin, in der Rückschau auf mein Leben. Habe ich erreicht, was ich erreichen wollte? Bin ich heute der, der ich sein will? Wo wäre ich heute, wenn ich Dinge anders gemacht hätte? So frage ich und komme ein bisschen ins Bedauern, wenn ich mich an die Vergangenheit erinnere.
Es ist nicht ungefährlich zurückzublicken. Entweder bleibe ich bei den guten oder bei den schlechten Erinnerungen stecken. Weil ich mich entweder von den glücklichen Momenten nicht trennen will - oder mich von den schlechten Erinnerungen nicht trennen kann.
Wie die Frau von Lot, von der die Bibel erzählt (1. Mose 19,1-26): Da wird berichtet, wie Gott mit der Stadt Sodom abrechnet. Zu vieles ist hier schief gelaufen, Menschen haben schlimme Dinge getan. Nur einige wenige sollen gerettet werden: Lot, dessen Frau und Töchter. Zwei Engel begleiten das Paar aus der Stadt. Da schaut Lots Frau noch einmal zurück auf die Stadt und sie erstarrt zu der buchstäblichen Salzsäule.
Wie Lot brauche ich auch jemanden, der mich aus der Gefahrenzone herausbringt. Damit ich nicht wie gebannt auf die Vergangenheit schaue und darin stecken bleibe. Ich brauche jemanden, der mich befreit vom Bedauern über falsche Entscheidungen. Und der mich befreit von dem Wunsch, mich in alte Lebensweisen und abschnitte zurückzusehnen.
Jesus hat einmal Folgendes über die Vergangenheit und die Zukunft mit Gott gesagt: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)
Ich verstehe ihn so: Ohne Gott habe ich keine Zukunft. Ohne Gott bleibe ich stecken in der Vergangenheit. Denn ohne Gott steht am Ende allen Lebens immer nur der Tod. Mit Gott dagegen habe ich eine andauernde Zukunft eine ewige Zeit mit Gott. Es kommt noch eine Zeit, in der alle Tränen getrocknet werden, in der es keine Angst, keine Verluste und keinen Tod mehr geben wird. Das wird die Zeit von Gottes Reich sein. Wenn ich glaube, dass eine bessere Zukunft auf mich wartet, kann ich die Vergangenheit leichter loslassen. Und auch ruhen lassen. Das meint nicht, dass ich vergesse, woher ich komme. Ich muss meine Vergangenheit auch nicht verdrängen oder schön reden.
Aber wer an eine bessere Zukunft mit Gott glaubt, der kann sich auf voll die Aufgaben und Pläne konzentrieren, die vor ihm liegen. Dann läuft der Pflug auch gerade. Und wenn ich doch mal durch einen Rückblick stecken bleibe: Ein Neustart mit Gott ist immer möglich. Und für alle Schuld gibt es Vergebung. Das Vertrauen in Gott hilft mir dabei, Vergangenes leichter loszulassen und meine Entscheidungen mutiger zu treffen. Ich habe darum weniger Angst vor der Zukunft. So gesehen, gehe ich dem Klassentreffen jetzt auch mit weniger Aufregung entgegen.
Behalten Sie Ihre Zukunft heute im Blick! Das wünscht Ihnen Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund.
Schatten der Vergangenheit
|