Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.06.11, Pastor Sebastian Begaße

Heiliger Geist

Die verrammelte Hütte am Stadtrand wird nur etwas durch schummriges Licht erhellt. Ein Regal löst sich von der Wand, die Tür schlägt laut zu.

Die Musik schwillt bedrohlich an – und plötzlich steht hinter der Geisterjägerin ein Toter! Sein Gesicht ist furchtbar verzerrt. Und er beginnt, über seinen brutalen Tod zu erzählen. Freundlich sind die wenigsten Geister, die ich in Kinofilmen oder Fernsehserien sehe. Und ich kenne Menschen, die große Angst vor Geistern haben und darüber gar nicht mehr lachen können.

Dabei muss man noch nicht einmal eine okkulte Erfahrung gemacht haben, um einem Geist begegnet zu sein. Man spricht ja auch von dem Geist, den ein Haus oder ein Ort  haben können – und meint damit die Atmosphäre. Und an dem, was und wie ich etwas tue, können andere sehen, welche innerlichen Einstellungen und Stimmungen mich gerade bestimmen – wessen „Geistes Kind“ ich bin. Auch die Bibel berichtet von Geistern, so genannte Dämonen. Aber sie meint damit nicht irgendwelche Gespenster, sondern negative Kräfte - Gedanken, Gefühle -  die Menschen beeinflussen. Diese „unheiligen Geister“ verursachen z.B. Krankheiten, Depressionen, Ängste oder Wut.

Die Bibel berichtet aber auch vom Heiligen Geist – dem Geist Gottes. Nach seiner Auferstehung verspricht Jesus seinen Freunden: Der Heilige Geist werde sie trösten, wenn sie einsam oder traurig sind. Es ist der gleiche Geist, durch den Jesus Menschen oft auf wundersame Weise Gutes tat. Der Heilige Geist redet Menschen aber auch ins Gewissen. Ohne Gottes Geist könnte ich gar nicht an Gott glauben, denn nur mit meinen eigenen Sinnen würde ich Gott nicht fassen können. Gottes Geist hilft mir beim Beten. So kann ich  mich überhaupt mit meiner Bitte oder meinem Dank an Gott wenden.

Wenn ich wieder mal Angst habe, dann sicher nicht vor Gottes heiligem Geist, sondern vor  Situationen oder Gefühlen, die eben die Atmosphäre von Unheiligem in sich tragen. Ich weiß, dass diese Eindrücke zumindest nichts mit dem Heiligen Geist zu tun haben,  denn an anderer Stelle in der Bibel heißt es: „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim.1,7)

Ohne den Heiligen Geist gäbe es übrigens auch keine Kirche. An Pfingsten feiern Christen weltweit den Geburtstag von Kirche  - aber warum eigentlich? Vielleicht lässt sich das so erklären (vgl. Apostelgeschichte 2,1ff): Nur mal angenommen, Gott hätte beschlossen, allen Menschen auf eine besondere Weise dauerhaft zu dienen. Mal angenommen, Gott  hätte sich vorgenommen,  uns seinen Heiligen Geist  zu senden und in unsere Herzen zu legen. Und angenommen, Gottes Geist würde tatsächlich in jedem Menschen wohnen wollen - unabhängig von Alter, Geschlecht oder moralischer Tadellosigkeit. Einfach als ein Geschenk Gottes. Und zwar in der gleichen Qualität und Kraft, mit der gleichen Liebe und Geduld, mit der gleichen Demut und Güte wie Jesus Christus sie hatte. Nur mal angenommen, durch das Leben dieser Christen wäre es wirklich möglich zu erleben, wie Gottes Geist das Leben von Menschen sichtbar verändert. Und angenommen, diese Menschen würden sich zusammenfinden, um Gott gemeinsam im Gebet, in der Bibel und in Gottesdiensten zu suchen. Und diese Menshen würden Gott bitten, dass sein Geist sie noch mehr leitet und füllt. 

Und weiter angenommen, Gott wäre von seinem Wesen her treu und gerecht, dass er sein Wort hält und dieses Beten seiner Kinder hören würde - es wäre...so biblisch!

Einen begeisternden Pfingstmontag wünscht Ihnen Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund

Audiobeitrag Heiliger Geist


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