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Schatz ist nicht gleich Schatz (Matthäus 6,19-21)
Als ich bei der Kirchenzeitung "Unsere Kirche" arbeitete, bekam ich jede Woche Post von einem freiem Mitarbeiter.
Ich freute mich jedesmal auf seine Briefe; nicht nur, weil er mich auf diese Weise pünktlich mit Texten versorgte, sondern auch deshalb, weil auf seinen Briefen immer besondere Briefmarken klebten. Und so schlug mein Herz jedes Mal höher, wenn ich zum Beispiel auf den Briefen Olympia-Sondermarken von 1972 entdeckte oder andere reizvolle und wertvolle Motive aus den 70er und frühen 80er Jahren. Schließlich war ich als Junge ein begeisterter Briefmarkensammler gewesen. Mit Liebe und Sorgfalt hatte ich die gestempelten Briefmarken eingeweicht, abgelöst, getrocknet und ins Album eingeordnet. Nachdem ich einen gewissen Grundschatz an Briefmarken besaß, habe ich dann mit anderen getauscht. Im "Michel", einem Katalog für Briefmarken, kannte ich mich zeitweise besser aus als in meinen Englisch- oder Lateinbüchern. Und nun bekam ich diese tollen Briefmarken. Was für ein Schatz!
Die Sache hatte allerdings einen kleinen Haken: Seit etwa 15 Jahren sammelte ich keine Briefmarken mehr. Mein Briefmarkenschatz lag irgendwo unbeachtet in einem Schrank. Einmal habe ich den freien Mitarbeiter gefragt, woher er denn diese seltenen Marken habe, die man doch schon seit Jahren nicht mehr auf den Briefen fände. "Die sind von meinem Vater", erzählte er mir: "Der hat bis ins hohe Alter hinein gesammelt und sich auch immer postfrische Marken schicken lassen. Vor einem Jahr ist er gestorben und da fanden wir die ganze Herrlichkeit. Aber, was sollten wir damit anfangen? Da entschloss ich mich, wenigstens die postfrischen Marken für meine Briefe zu verwenden - auch wenn es heute längst keine Briefmarken mehr gibt, die 35 oder 70 Pfennige kosten."
Liebe Hörerinnen und Hörer, morgen beginnt in Dresden der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag. Und da werden die erwarteten 100.000 Dauergäste auch auf ihre Schätze angesprochen. Das geschieht durch die Kirchentagslosung. Sie lautet: "... da wird auch dein Herz sein." Dies ist ein Zitat von Jesus, der in der Bergpredigt sagt:
Sprecherin: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz."
Ein wenig unangenehm ist das schon, dass Jesus so deutlich in meine Schatzsucher-Mentalität hineinspricht und sagt: "Schatz ist nicht gleich Schatz!" Für manchen mag das sogar richtig ärgerlich sein. Ich kann das auch verstehen. Ein Briefmarkensammler zum Beispiel, der mit Hingabe seine Marken sortiert, muss sich einfach darüber ärgern; denn Jesus führt ihm vor Augen, dass sein Schatz in ein paar Jahren bestenfalls auf dem "Flohmarkt" landet.
Trotzdem ist es gut, dass Jesus uns dazu auffordert, nach den richtigen Schätzen zu suchen; nach Schätzen, die unserem Herzen auch langfristig Halt und Stärke geben. Dazu folgender kleiner Test; wählen Sie aus zehn verschiedenen Möglichkeiten. Also, was gibt deinem Herzen Geborgenheit und Weite? O Arbeit O Erfolg O Freunde O Gesundheit O Glück O Gott O Macht O Partnerschaft O Reichtum O Urlaub Kreuze an: Welcher Schatz gibt deinem Herzen Geborgenheit und Weite?
Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrer Reinhard Ellsel aus Lübbecke.
Schatz ist nicht gleich Schatz (Matthäus 6,19-21)
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