Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.06.11, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden

O-Ton: Atmo vom Kirchentag 2009 in Bremen: Gebetsruf "Gott, wo bist Du? Ich ruf´zu Dir"

Autorin: So klang es vor zwei Jahren, als in Bremen der 32. Deutsche Evangelische Kirchentag eröffnet wurde. Ganz ähnliche Klänge werden auch heute am frühen Abend wieder zu hören sein - beim Eröffnungs-Gottesdienst zum 33. Kirchentag. Diesmal heißt die Gastgeberstadt Dresden. Erst zum 2. Mal seit der Wende findet das große evangelische Laientreffen damit wieder in Ostdeutschland statt. "Ausgerechnet", mag jetzt der eine oder andere denken und sich fragen: "Wer soll denn da hinkommen? Nach 40 Jahren DDR und SED-Regime gibt es doch dort kaum noch Christen“ . Stimmt. Aber gerade deswegen ist Dresden eine gute Wahl, meint Ellen Überschär, die Generalsekretärin des Kirchentages:

O-Ton: Auch wenn Christen in der Minderheit sind, weil ich glaub es gibt viele, die auf der Suche sind. Die sagen, Kirche ist nicht mein Ding, bin ich nicht mit aufgewachsen, aber irgendwas, was Sinn macht, das brauch ich und das such ich.

Autorin:  Eine erste Hilfestellung bei dieser Suche bietet schon das Motto des Kirchentages. Es stammt aus dem Matthäus-Evangelium und lautet "Da wird auch dein Herz sein" …

O-Ton: Der erste Teilsatz, der nicht in der Losung steht, heißt ja "denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein". Nun haben natürlich viele einen Schatz, der  Karsten heißt oder Ludwig oder (…) Maike, aber das ist nicht gemeint, sondern es ist schon (…) das gemeint, was unser Leben ausmacht, wofür häng ich mich wirklich rein, was ist mir wichtig und was tu ich auch dafür. Wo schlägt mein Herz ?

Autorin: Um das für sich herauszufinden, gibt es jede Menge Gelegenheiten, meint Ellen Überschär – auch und gerade für Menschen, die sich sonst nicht so sehr für Kirche und Christentum interessieren:

O-Ton: Kirchentag ist ein ganz niedrigschwelliges Angebot mit viel open-air-Veranstaltungen, wo man einfach auch mal reinhören kann und ranschnuppern kann und das versprech ich mir, dass diese Atmosphäre "Kirche macht Spaß, Kirche ist offen und Kirche ist tief" – dass dieser Funke überspringt. Das hoffe ich für Dresden.

Autorin:  Die Chancen dafür stehen jedenfalls nicht schlecht. Wer je einen Evangelischen Kirchentag live miterlebt hat, der weiß: Seine Besucher können eine ganze Stadt verändern: In Bussen oder Straßenbahnen werden plötzlich Kirchenlieder gesungen; in der Fußgängerzone spielen Posaunenchöre; und am Abend versammeln sich auf dem Marktplatz Tausende von Menschen zu einem Nachtgebet. Wo immer der Kirchentag zu Gast ist, da verbreitet er diese ganz besondere, ganz eigene Stimmung. Und die kommt zustande, weil sich hier Christen endlich mal nicht verstecken, sondern öffentlich bekennen, ja, ich glaube an Gott – ich steh dazu, und wenn du wissen willst warum, dann frag mich ruhig …" Es ist ein fröhlicher und selbstbewusst gelebter Glaube, der sich da zeigt. Ein Glaube, der ansteckt - der vielleicht keine Berge versetzen, aber immerhin ein ganzes Stadtbild und vor allem auch Menschen verändern kann. "Seid jederzeit bereit, Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die euch erfüllt" – so heißt es im Neuen Testament. 

Ich bin sicher: Die Kirchentagsbesucher werden in Dresden von dieser Hoffnung erzählen und von ihrem Glauben. Fröhlich und selbstbewusst und hoffentlich auch dann noch, wenn der Kirchentag vorbei ist und sie wieder Zuhause sind. Und Sie und ich – wir sollten das auch tun.

Audiobeitrag 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden


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