Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.05.11, Pfarrer Titus Reinmuth

Woran Promis glauben - Heinz Rudolf Kunze

O-Ton: Ich bleibe wahrscheinlich ein Zweifler – aber ein sympathisierender Zweifler.

Autor: So beschreibt Heinz Rudolf Kunze, wie er glaubt. Viele kennen den Rock-Poeten mit der großen, schwarzen Brille eher als intellektuellen Skeptiker. Deshalb die Frage, ob er überhaupt glaubt.

O-Ton: Ja, auf irgendeine verquere Weise schon.

Autor: meint Kunze und erzählt backstage vor einem Auftritt in Köln, dass der Glaube doch Teil seines Lebens ist.

O-Ton: Ich bin evangelisch geboren und gedenke das auch zu bleiben, weil ich finde, dass das zu meinem Leben gehört. Ich bin zwar kein ordentlicher Aktiv-Christ und Liebling des Pastors am Sonntagmorgen, aber ich bleib bei dem Verein, denn – wie Helge Schneider so schön gesagt hat: Man weiß ja nie!

Autor: Heinz Rudolf Kunze feiert in diesen Tagen sein 30jähriges Bühnenjubiläum. Spätestens seit dem Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ ist Kunze aus der deutschen Rock-Szene nicht mehr wegzudenken. Die aktuelle CD landete  auf Platz 8 in den Charts. Vor seinem Durchbruch als Musiker Anfang der 80er Jahre hat Kunze Germanistik und Philosophie studiert. Immer wieder macht er sich auf die Suche nach dem, was Menschen glauben können.

O-Ton: Es gibt im Leben sehr viele Unwägbarkeiten, Unplanbarkeiten. Und dann ist es doch eigentlich eine gewisse Hilfe, finde ich, wenn man einen Plan unterstellt – das tue ich. Auch wenn ich ihn manchmal nicht verstehe.

Autor: Im Jahre 2005 schrieb Heinz Rudolf Kunze die Pop-Hymne zum Evangelischen Kirchentag in Hannover. Titel: Mehr als dies.Und auch hier ging es um die Sinnfrage. Wenn Dein Kind dich morgen fragt … dann sag ihm: es gibt mehr als dies. Es gibt einen der uns liebt.

O-Ton: Ich bin nicht so vermessen, zu glauben, dass es nur das gibt, was wir Menschen wissen. Und deswegen unterstelle ich einfach grundsätzlich die Möglichkeit, dass es etwas gibt, was mehr weiß als wir. Und bei dem man auch Trost finden kann und manchmal auch Schutz.

Autor: Aber mit dem auch gerungen werden darf. So wie Millionen es jetzt tun -  nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der Reaktorkatastrophe in Japan.

O-Ton: Ja, das ist ja die Knackpunktfrage überhaupt, warum der liebe Gott so viel Elend zulässt. Und diese Antwort, dass wir den Plan nicht immer verstehen, ist nicht ganz befriedigend, klar. Und ich maße mir nicht an zu sagen: Ich glaube immer. Manchmal schaff’ ich’s und dann verlässt es mich wieder. Dann hadere ich wieder mit dem Alten. Aber zumindest sind wir im Gespräch!

Autor: Kunze im Gespräch mit dem lieben Gott. Da wäre man doch gern dabei. Aber das geschieht eher im Stillen, wie der Künstler offenbart.

O-Ton: Ich bin ein regelmäßiger Beter, das ja. Das tue ich jeden Tag, das habe ich mir seit der Kindheit nie wieder abgewöhnen wollen. Und manchmal hilft’s auch.

Autor: Kunze erzählt, dass es auch manche persönliche Krisen gab, die den Glauben herausgefordert haben.

O-Ton: Wenn ich daran denke, dass mal ein fremdes Kind in meinem Garten ums Leben gekommen ist, oder wenn ich an meine Scheidung denke, das sind so Augenblicke, da wär man schon ganz dankbar, wenn die Antwort von oben etwas deutlicher ausfällt.

Autor: Und was würde sich der Mensch Kunze dann wünschen?

O-Ton: Naja, das es da irgendwas gibt, was zumindest von mir die grundsätzliche Meinung hat: Er gibt sich Mühe.

Audiobeitrag Woran Promis glauben - Heinz Rudolf Kunze


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