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Woran Promis glauben: Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann
O-Ton: Ich denke Kraft schöpfe ich im Leben daher, dass ich mich im Glauben verwurzelt fühle.
Da ein festes Standbein habe und dann das Spielbein im Leben sozusagen betätigen kann.
Autorin: sagt Margot Käßmann viel Kraft hat sie in der Tat gebraucht im vergangenen Jahr sie musste ihr Leben neu sortieren. War wegen Trunkenheit am Steuer freiwillig von all ihren Ämtern zurückgetreten dem EKD Ratsvorsitz und dem Bischofsamt. Sie behauptet, es sei ihr nicht schwer gefallen, denn als sie ´99 Bischöfin wurde:
O-Ton: Da hab ich mich entschlossen zu sagen, bleibe einfach Margot Käßmann und versuch das Amt auszufüllen. Das hat mir insofern genützt denke ich - als ich das Amt verloren habe, immer noch Margot Käßmann war, also das war für mich keine so große Identitätskrise.
Autorin: Heute arbeitet sie als Gastprofessorin an der Uni in Bochum und ist auf der Suche nach einem neuen Job. Margot Käßmann ist tough. Jede noch so große Krise meistert sie mit Bravour: die Alkoholfahrt, die Scheidung, den Brustkrebs . Und sie spricht darüber öffentlich: in Kirchen, in Talkshows und in Büchern. Kirchenobere werfen ihr vor, sie mache zu viel Privates öffentlich:
O-Ton: Natürlich gibt es Persönliches wie eine Krebserkrankung, die können sie als Bischöfin gar nicht verstecken. Dasselbe war mit der Scheidung. Und da habe ich gedacht bevor nun Munkeleien und Gerüchte in der Welt sind, kannst du es selber sagen, aber ich habe nie was über die Umstände oder die tieferen Gründe erzählt.
Autorin: Das Volk hingegen liebt sie genau aus diesem Grund: Dass sie von ihren Krisen erzählt zuletzt in ihrem Buch In der Mitte des Lebens. Sie wird zum strahlenden Vorbild insbesondere für Frauen, die in ähnlichen Krisen stecken. Wo die Kinder aus dem Haus gehen, die Ehe scheitert, die Eltern krank werden.
O-Ton: Und man weiß, nicht wie man das in Balance halten soll, Brustkrebserkrankung, also ich erhalte sehr, sehr viel Reaktionen, wo Frauen sich sozusagen spiegeln, in dem was ich erzähle, dass es weitergeht, dass es nicht das Ende sein muss. Insofern denke ich, viele fühlen sich da verbunden.
Autorin: Für Margot Käßmann sind Krisen Alltag, die sie bestmöglichst bewältigt. Sie ist pragmatisch. Verliert sich nicht in Selbstmitleid, sondern relativiert ihr Leiden auch schon mal mit Hilfe einer Statistik. Schließlich erkranke jede sechste Frau an Brustkrebs. Warum solle ausgerechnet sie nicht erkranken? Doch was ihr Kraft gibt, die Krise zu meistern, ist ihr Glaube:
O-Ton: Gott ist kein Gott, der vom Leiden erlöst, der Leid verhindert
, sondern Gott ist der Gott, der dich im Leiden hält und trägt und in dieser Welt wird es das geben immer. Aber du darfst dich gehalten und getragen wissen.
Autorin: Für die Professorin sind das keine leeren Worte, keine bloße Theorie, sondern Erfahrungswissen:
O-Ton: Für mich war die Lebenserfahrung: Dann, wenn es mir am schlechtesten ging, habe ich mich am stärksten vom Glauben gehalten gefühlt. Weniger von Menschen übrigens als von Gott.
Autorin: Margot Käßmann ist stark auch wenn sie über den Tod redet. Vor dem Tod habe sie keine Angst, aber vor Schmerzen. Doch da vertraue sie auf die Palliativmedizin und die Hospize. Und was den Tod konkret angeht:
O-Ton: Ich möchte keinen so plötzlich Tod, wie viele sich den wünschen, sondern in Ruhe und Frieden Abschied nehmen können, von den Menschen, die mir wichtig sind.
Autorin: Die Bischöfin a.D. ist eine Protestantin zum Anfassen. Tausende von e-mails und Briefen hat sie in den vergangenen Jahren beantwortet. Die Menschen lieben sie, weil man bei ihr lernen kann, was es heißt zu glauben.
O-Ton: Mir war als Christin auch immer wichtig Fröhlichkeit auszustrahlen, also vielleicht: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet: Ich glaube das ist eine ganz gute Balance.
Woran Promis glauben: Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann
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