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Mit Gott rechnen
Echo 2011. Es war nur eine Kleinigkeit. Ein Satz. Der Dolmetscher hatte ihn einfach vergessen. Oder übergangen.
God bless you sagten die beiden Familienangehörigen in die Fernsehkameras. Es waren Angehörige von Israel «Iz» Kamakawiwo'ole. Seine alte Interpretation von Somewhere over the Rainbow hatte in Deutschland die Charts erobert. So bekam der Mann aus Hawaii noch posthum die Auszeichnung für die meist verkaufte CD des Jahres.
Und dann geschah es: Eine rührende Reportage aus seiner sonnigen Heimat, seine Familie strahlt und bedankt sich beim deutschen Publikum. Alles ist gut, aber eins wird überhört: God bless you, Gott segne Euch.
War es dem Dolmetscher nicht so wichtig? Hat er den Satz gar absichtlich weggelassen, weil er nicht so recht in die Samstagabendshow passt? Mir ist es jedenfalls aufgefallen. Und seither mache ich mir so meine Gedanken, wann wir Menschen Gott vergessen. Einfach übergehen. Nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen. Dann tun wir so, als kämen wir ganz gut ohne Gott aus.
Wir Menschen bauen Atomkraftwerke und glauben, es wird schon gut gehen. Aber wehe, es kommt doch zum Super-GAU. Dann bleibt uns jedes Gebet im Halse stecken. Wir hofieren Diktatoren und sagen, man kann ja doch nichts machen. Aber wehe, ihr Volk erhebt sich und probt den Aufstand. Dann stehen wir dumm da.
Ich will immer noch glauben, dass Gott diese Welt gut geschaffen hat und auch erhalten will. Dass Gott unser Leben segnet. Es gäbe genug für alle. Wir könnten im Frieden leben. Wir könnten uns auch entwickeln und wachsen. Mit Energie aus Sonne, Wind und Wasser, mit den Reichtümern dieser Erde. Mit unserer Forschung und Technik. Aber nicht ohne Gott.
Bei allem, was wir tun, auch noch mit dem Segen Gottes zu rechnen, verändert viel. Eigentlich alles. Immer noch mit Gott zu rechnen, zieht nämlich eine Grenze. Zwischen dem, was wir selber tun können, und dem, worüber wir nun mal nicht verfügen. Niemand konnte wissen, ob das Erdbeben in dieser Gegend von Japan nicht eines Tages kommt. Es war unwahrscheinlich, aber es ist passiert. Menschliches Planen und Sorgen und Absichern kommt an Grenzen. Dann erst zu beten, dann erst wieder mit Gott zu rechnen, ist ein bisschen spät, oder?
Mit Gott rechnen. Wir sollten uns das wieder angewöhnen. Ein God bless you in der Fernsehshow, ein so wahr mit Gott helfe, wenn ein Politiker ins Amt eingeführt wird, nicht nur Happy Birthday, sondern Viel Glück und viel Segen, wenn ein Kind Geburtstag feiert. Es zu tun oder zu lassen, es macht einen Unterschied.
So wie bei der Familie, die sich auf die Geburt ihres ersten Kindes gefreut hat. Alle Voruntersuchungen gemacht, alle Kurse besucht, nichts deutete auf ein Problem. Dann kam der Junge vier Wochen zu früh und atmete nicht richtig. Verlegung, Spezialklinik, Intensivstation, drei Wochen lang. Es ist am Ende gut gegangen. Heute ist er vier Monate alt und soll getauft werden. Die Eltern spüren genau, dass Gott auch noch da ist. Sie glauben, dass Gott sie begleitet hat in den letzten Wochen. Sie konnten viel tun, aber nicht alles. Das wird auch in Zukunft so sein. Also vertrauen sie auf Gott. Er soll ihr Kind segnen. Dadurch wird es nicht beschützt vor Krankheit oder Verletzung. Aber seine Eltern rechnen bei allem mit Gott. Das macht den Unterschied.
Mit Gott rechnen
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