Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.05.11, Maike Siebold

Wer nicht fragt bleibt dumm

Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt bleibt dumm. Diesen berühmten Sesamstraßen-Jingle singen oder summen sofort alle Generationen mit.

Kinder können uns in einem bestimmten Alter mit ihren nicht enden wollenden Warum-Fragen in den Wahnsinn treiben. Und warum, und warum, und warum …

Aber natürlich machen es die Kinder instinktiv richtig, denn Fragen sind unglaublich wertvoll. Die richtige Frage bringt uns dazu, unser Leben, unseren Alltag schärfer zu sehen und vielleicht eine wichtige Entdeckung zu machen.

Dumme Fragen gibt es bekanntlich nicht. Fragen zu stellen ist immer gut. Schließlich erweitern sie unseren Horizont und wir hoffen stets auf eine Antwort, die uns weiterbringt. Das gilt auch für die Fragen, die wir uns selber stellen. Die Mutter aller Fragen ist die Sinnfrage: Wozu bin ich auf der Welt. Und auch hier lohnt es sich immer weiterzufragen, so wie die Kinder. 

Wie wäre es, wenn wir den heutigen Tag unter eine bestimmte W-Frage stellen. Einen „Wie- oder „Was-Tag“ ausprobieren. Dinge die uns beschäftigen, die wir planen oder die uns Schwierigkeiten bereiten z.B. unter der Was-Frage zu betrachten.

So besteht die Chance, dass wir herausbekommen, was uns wirklich “umtreibt”. Klärung ist oft die halbe Miete, gerade bei kniffligen Entscheidungen. Eine bekannte Methode aus dem Management ist die 5-mal-warum-Technik. Sie besagt, dass man bei einem Vorhaben, einem Fehler, einer Entscheidung 5mal hintereinander die gleiche Frage stellt, z.B. “Warum?”, so wie früher als Kind. Dies hat den Effekt, dass man nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern der tatsächlichen Ursache des Problems näher kommt. Warum lass ich mir das Verhalten meiner Kollegin gefallen? Weil ich keine schlechte Stimmung im Büro haben will? Warum? Weil ich mich eh schon unwohl genug fühle. Warum? Weil ich mich überfordert fühle auf der Arbeit. Warum? Weil ich mich schlecht konzentrieren kann? Warum? Weil ich zu Hause Probleme habe. Und so weiter.

Auf diese Weise kann man schnell der eigentlichen Ursache auf die Schliche.

Für dieses kleine Selbst- Training eignen sich Fragen mit “wie?”, “was“ oder „warum“.  Im jüdischen Schulsystem war nicht derjenige der beste Schüler, der das größte Faktenwissen unter Beweis stellte und es vielleicht in einem Fernsehquiz zum Millionär gebracht hätte, sondern derjenige, der die besten Fragen stellte; Fragen, die zum Weiterfragen, zum Weiterdenken anregten. Aus dieser Tradition kam auch Jesus, der schon als Zwölfjähriger den Schriftgelehrten Löcher in den Bauch fragte, drei Tage lang. Er fragte nach Gott und vielem mehr. Jesus stellte viele Fragen, sein Leben lang, bis zum bitteren Ende im Todeskampf.

Voller Neugierde und Fragen ist Jesus seinen Weg gegangen. Auch an diesem Punkt kann er uns Vorbild sein. Der Mensch, der sein Leben lebt, ist nicht der, der unerschütterlich, in ständiger Sattheit und Seligkeit durchs Leben plätschert, sondern der Mensch, der mit Zweifel und Fragen ringt, solange er atmet.

Audiobeitrag Wer nicht fragt bleibt dumm


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