Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.05.11, Maike Siebold

Blind date

Autorin: Würden Sie sich auf ein Blinddate mit Gott einlassen? Die Vorstellung einer Begegnung dieser göttlichen Art ist faszinierend wie unheimlich zugleich.

Voraussetzung für so ein Blinddate ist in der Regel, dass jemand auf der Suche ist. Was eigentlich auf uns alle zutrifft. Wir sind auf der Suche nach dem richtigen Partner, dem richtigen Weg, den richtigen Entscheidungen und auf der Suche nach Gott.
Hinter unseren existenziellen Bedürfnissen wie Essen, Trinken, Wärme und  Schmerzfreiheit rumort das Bedürfnis nach etwas Größerem, Spirituellen, etwas Göttlichem. Wer auf der Suche nach einer göttlichen Begegnung ist, findet heute unzählige spirituelle Hilfsangebote. Gott für sich entdecken zu wollen, scheint der einzig stabile Trend in unserer Menschheitsgeschichte zu sein. Abzulesen ist er an dem Angebot sog. Glaubenskurse  oder dem Run auf die guten alten Exerzitien. Die Sehnsucht nach etwas wirklich Spannendem, Großem lässt uns also nicht los. Doch um Gott zu treffen, reicht manchmal ein offener, neugieriger Blick.

Sprecher: Matti, acht Jahre alt, hatte es schon lange vor, er wollte unbedingt Gott treffen. Nach der Schule machte er ernst. Er packte seinen Rucksack, stopfte einige Cola-Dosen und mehrere Schokoladenriegel hinein und machte sich auf den Weg. In einem kleinen Park traf er auf eine alte Frau, die unter einem schattigen Baum auf einer Bank saß und den Tauben beim Essen zuschaute.

Matti folgte seinem Impuls und setzte sich neben die Frau auf die Bank und öffnete seinen Rucksack. Gerade als er eine Cola herausholen wollte, sah er den Blick der Frau. Sie war hungrig. Spontan zog er einen Schokoriegel heraus und reichte ihn hinüber. Dankbar lächelte die Frau ihn an - es war ein großartiges Lächeln. Der Junge wollte dieses Lächeln noch einmal sehen und bot ihr auch seine Cola an. Die Frau nahm die Cola und lächelte wieder,  strahlte noch mehr als zuvor. Matti fühlte sich toll. Die beiden saßen den ganzen Nachmittag zusammen auf der Bank im Park, schauten den Tauben zu, aßen Schokoriegel und tranken Cola, aber sprachen kein Wort.

Als es dunkel wurde, verabschiedete sich der Junge. Zu Hause nahm seine Mutter einen glücklichen Sohn in Empfang und fragte: "Na, was hast du denn heute Schönes gemacht? Du siehst so fröhlich aus?" Matti antwortete: „Ich habe mit Gott Mittag gegessen und sie hat ein unglaubliches Lächeln."

Zur gleichen Zeit kam die alte Frau nach Hause, wo ihr Sohn sie erwartete und fragte, warum sie so fröhlich aussehe. Sie antwortete: „Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen und er ist viel jünger, als ich dachte.“

Es muss nicht immer gleich ein brennender Dornbusch sein, so wie bei Mose im Alten Testament. Gott und Göttliches können wir im Alltag entdecken. Vielleicht treffen Sie ihn heute auch. Also, Augen auf!

Audiobeitrag Blind date


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