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anstrengende Nächstenliebe
Das Konzept hört sich ziemlich anstrengend an: Man soll gegenüber seinen Mitmenschen nicht nur ein bisschen tolerant sein, nein:
man soll sie genauso ernst und wichtig nehmen wie sich selbst. Nächstenliebe heißt das in der Bibel, und das Gebot der Nächstenliebe gilt als besonders wichtig.
Nun fallen mir aber sofort eine ganze Menge Leute ein, bei denen ich mich nächstenliebe-mäßig sehr zusammenreißen müsste. Der Radfahrer, der mich vor ein paar Tagen auf dem Zebrastreifen fast umgefahren hat. Oder mein nerviger Nachbar, der sich bei jeder Kleinigkeit beschwert. Eigentlich sind das auch alles Mitmenschen, denen ich mit Nächstenliebe begegnen soll. Aber wäre das nicht eine ständige Überforderung?
Nicht unbedingt. Das Gebot der Nächstenliebe hat ja zum Glück zwei Teile. Teil eins: Ich soll meinen Nächsten lieben. Teil zwei: ... und zwar so, wie ich mich selbst liebe. Es geht also nicht darum, sich ständig total zu verausgaben. Mit zusammengebissenen Zähnen rumzulaufen und alle ganz doll lieb zu haben.
Selbstliebe und Nächstenliebe beide Teile des Gebots müssen im Gleichgewicht sein, damit es funktioniert. Denn nur, wenn ich mich selbst annehme, wenn ich mit mir selbst sorgsam umgehe, habe ich auch die Kraft, das mit anderen zu tun.
Bevor ich mich also schwarz ärgere, darf ich meinem Nächsten ruhig auch mal die Meinung sagen. Aber eben so, dass er dabei nicht zum Feind wird, sondern mein Mitmensch bleibt.
Sprecherin: Daniel Schneider
anstrengende Nächstenliebe
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