|
Gebetomat
In Berlin ist der erste Gebetomat aufgestellt worden. Das Ding sieht aus wie einer dieser Passbild-Automaten, die an Bahnhöfen und Flughäfen rumstehen.
Ein roter Kasten mit einem Vorhang, drinnen ein kleiner Hocker, ein Touchscreen und ein Schlitz für den Geldeinwurf.
Willkommen im Gebetomat!, säuselt eine freundliche Frauenstimme. Wer mindestens 50 Cent investiert, hat die Auswahl aus 300 Gebeten in 65 verschiedenen Sprachen. Natürlich gibts die Klassiker aus Christentum, Judentum und Islam, aber man kann auch den Buddhismus anwählen oder irgendwelche Texte von Scientology.
Während ein Gebet abgespielt wird, zeigt ein Fortschrittsbalken an, wie lange es noch bis zum Amen dauert. Und solange das Geld reicht, kann man munter zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen hin- und herswitchen. Irgendwann ertönt ein unschöner Signalton dann wird es Zeit, Münzen nachzuwerfen.
Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Angebot halten soll. Aus christlicher Sicht gibt es keine Regeln fürs Beten. Ich kann mich jederzeit an Gott wenden. Ob ich das laut oder leise tue und welche Worte ich dabei wähle, spielt keine Rolle. Und auch der Ort ist eigentlich egal. So gesehen, könnte ich zum Beten auch in einen Gebetomat klettern.
Trotzdem: Das Gefummel auf dem Touchscreen turnt mich irgendwie ab, und warum ich fürs Beten Geld zahlen soll, versteh ich auch nicht so ganz. Gott ist für jeden Menschen da, auch ohne Gebetomat.
Sprecher: Daniel Schneider
Gebetomat
|