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Der schöne Ostertag (eg 117) und 1. Kor 15, 12-20
Die Liebe Gottes und der Friede Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen! Gemeinde: Amen!
Muss man dir alles dreimal sagen? Kinder kennen diesen Satz nur allzu gut. Und vielleicht haben Sie ihn als Kind auch zu hören bekommen. Und wenn er zu hören war, dann steckte meist dahinter: Sie hatten gerade nicht zugehört, waren abgelenkt. Sie wollten sich einer Sache lieber entziehen oder waren schlicht zu träge. Die Kindheit ist inzwischen vorbei, aber Lebenssituationen, in denen wir abgelenkt oder zerstreut sind, die gibt es immer noch. Zeiten, in denen die Ohren wie taub und die Hände schwach und unfähig geworden sind, wenn Lebenskraft und Lebensmut uns fehlen und unser Herz verzagt ist.
Muss man dir alles dreimal sagen? Ja! Sogar viermal. Das jedenfalls tut eines der neueren Osterlieder im evangelischen Gesangbuch.
Lektorin: (1. Strophe): Der schöne Ostertag! / Ihr Menschen, kommt ins Helle! / Christ, der begraben lag, / brach heut aus seiner Zelle. / Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden, / so glaubten wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.
Predigerin: Doch nun ist Christus erstanden. Erstanden. Erstanden. Erstanden! Viermal singt uns das Lied diese Botschaft in immer höheren Melodiebögen zu. Ich frage mich, warum? Weil das offenbar nötig ist, dass wir daran erinnert werden. So viel anderes stürzt auf uns ein, lenkt uns ab, lässt uns zweifeln, macht uns vergesslich für die entscheidende Botschaft des Lebens: Christ ist erstanden!
Denn oft fallen Schatten auf unser Leben. Wir sehen die Zerstörung, die Menschen in dieser Welt anrichten. Das kommt uns über die Medien bis ins Wohnzimmer, was in Japan, in Libyen, an der Elfenbeinküste geschieht. Wir spüren die Macht des Todes und erleben auch in unserem eigenen kleinen Umfeld, wie sehr uns Mutlosigkeit und Traurigkeit in ihren Bann schlagen können.
Wenn wir unseren Alltag ansehen, dann erzählt er eher davon, dass der Tod das letzte Wort hat. Seine Macht scheint ungebrochen. Dass einer vom Tod zum Leben durchgedrungen ist, liegt nicht auf der Hand. Das ergibt sich nicht aus dem Lauf der Welt. Es muss uns immer wieder gesagt werden. Oder besser noch: gesungen werden. Schon frühere Generationen haben das gewusst. Gegen den Zweifel und die Vergesslichkeit hilft: Singen.
Musik: Gesang solo: Der schöne Ostertag! / Ihr Menschen, kommt ins Helle! / Christ, der begraben lag, / brach heut aus seiner Zelle. / Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden, / so glaubten wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.
Predigerin: Die Osterbotschaft singen. Sie oft singen, nicht nur einmal im Jahr, sondern jeden Sonntag, am besten aber täglich. Der schöne Ostertag! Generationen vor uns hat dieses Osterlied begonnen, Menschen zu erinnern, sie bei der Hand zu nehmen, sie ins Helle zu ziehen. Schon im 17. Jahrhundert wurde es in den Niederlanden gesungen, wanderte dann nach England weiter und kam schließlich in einer Übertragung des Pfarrers Jürgen Henkys zu uns nach Deutschland. Singen wir miteinander die erste Strophe. (
Musik: Gemeinde und Orgel (Intonation u. 1. Strophe): Der schöne Ostertag! / Ihr Menschen, kommt ins Helle! / Christ, der begraben lag, / brach heut aus seiner Zelle. / Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden, / so glaubten wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.
Predigerin: Der schöne Ostertag! Ihr Menschen, kommt ins Helle! Das Lied erklärt uns nichts. Es erklärt nicht, wie Ostern zu verstehen ist. Es ist eher eine Aufforderung zum Tanz, zum Mitsingen, Mitmachen. Dahinter steckt die Erkenntnis: Erklärungen helfen uns meist nicht weiter. Vor allem dann nicht, wenn wir traurig sind und Zweifel haben. Ich denke an ein Ehepaar, das in unsere Stadt gezogen ist, um den Ruhestand hier zu verbringen. Nach Jahren anstrengender Berufstätigkeit endlich ausruhen, Zeit füreinander haben, den Kurpark und die Konzerte miteinander genießen, das haben die beiden sich gewünscht. Nachdem die neue Wohnung gerade eingerichtet und bezogen war, erlitt die Frau einen schweren Schlaganfall. Seit vielen Monaten liegt sie nun in einem Pflegeheim und kann nur mühsam auf Menschen reagieren, die an ihr Bett treten.
Warum ich? Warum so? Warum jetzt? Das fragen wir, wenn so etwas geschieht. Aber: Wüssten wir die Antworten auf diese Fragen, würden sie uns wirklich trösten? Und wüssten wir das ganz genau, wie das mit der Auferstehung vor sich gegangen ist, könnten wir erklären, was da passiert ist, würde uns das sicherer, zuversichtlicher machen?
Aber da ist etwas geschehen, jenseits unserer Erklärungen. Da kommt etwas auf uns zu, dringt uns in die Ohren. Eine Botschaft, deren Melodie uns ins Helle zieht, uns anstiftet zum Singen und Tanzen, und sei es nur ganz vorsichtig. Und das hilft, dem Totentanz zu begegnen, den wir nur zu gut kennen.
Der Totentanz, das sind die Erfahrungen der Vergeblichkeit. Wir konnten nicht helfen, müssen Menschen am Sterbebett erfahren. Ich habe mir so viel Mühe gegeben mit den Kindern, sagt eine Mutter, aber sie kommen im Leben nicht wirklich zurecht. Ich habe gedacht, wir bleiben für immer zusammen, bekennt ein Mann, aber nun trennen sich unsere Wege. Das und vieles andere sind die Tode im Alltag, denen wir begegnen. Wir gehorchen ihrem Takt und werden an die Grenzen unserer Möglichkeiten geführt. Wir erleben, wie vergeblich unser Tun oft ist und wie wenig uns das rettet, was wir an Sicherheiten schaffen, wenn wir dem Tod begegnen.
Doch nun ist er erstanden singt uns jede der Strophen unseres Osterchorals ins Ohr. Erstanden. Erstanden. Erstanden. Gegen die Vergesslichkeit, gegen den Totentanz, gegen seinen Takt. Leicht, menschenfreundlich, dem Leben zugewandt und verlockend ist diese Melodie.
Querflöte: Melodie eg 117 (2x)
Lektorin: (2. Strophe): Was euch heut niederwirft, / Schuld, Krankheit, Flut und Beben, / er, den ihr lieben dürft, / trug euer Kreuz ins Leben. / Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, / so glaubten wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.
Predigerin: So glaubten wir umsonst
Auch der Glaube würde der Vergeblichkeitsmelodie gehorchen müssen, wäre sinnlos, wenn er keine Antwort auf den Tod wüsste. Das hat der Apostel Paulus den Christen in Korinth ins Stammbuch geschrieben: Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist euer Glaube vergeblich. Und: Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Wir blieben dem Takt des Totentanzes unterworfen, blieben dabei, dass er am Ende den Schlussakkord setzt und alles, was davor war, für vergeblich und nichtig erklärt. Und dagegen singt dieses Lied an und erinnert uns: Er trug euer Kreuz ins Leben. Es erinnert uns an Christus. Nicht allein an die vielen Worte und Taten, in denen er den Menschen seine Liebe entgegengebracht hat, sondern auch daran, dass er den Weg der Liebe bis zu Ende gegangen ist. Bis in den Tod. Da ist etwas, was stärker ist als das Grauen des Karfreitags, was unwiderstehlicher ist als der unerbittliche Takt des Totentanzes. Das ist das zarte Licht des Ostermorgens, das auf die Frauen fällt, die zum Grab kommen. Das ist die Melodie des Lebens, mit der uns Gott ruft und lockt. Es ist seine Liebe, die dem Tod und der Schuld das letzte Wort nimmt. Die Liebe, diese Liebe hört niemals auf, weiß Paulus. und sie ist noch größer, als unser Glaube und unsere Hoffnung es je sein können. Sie hält uns auch da noch fest, wo unsere Kraft zu Ende ist:
Lektorin: (3. Strophe): Muss ich von hier nach dort / er hat den Weg erlitten. / Der Fluss reißt mich nicht fort, / seit Jesus ihn durchschritten. / Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, / so hofften wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.
Predigerin: Das ist geschehen. Es ist Ostern geworden. Wir müssen es nicht machen und nicht leisten. Das ist schon getan. Und daran hängt alles. Das ist das Erstaunliche und Unberechenbare, dass wir bei Gott mit dem, was uns bedrückt und quält, dahin geraten, getragen werden, wo das Leben ist. Barmherzigkeit statt Verurteilung. Neuer Mut, auch wenn vieles zerbrochen ist. Hoffnung über den Tod hinaus. Das zarte Licht des Ostermorgens auf unseren müden Gesichtern. Die unwiderstehliche Melodie, die uns lockt und ruft.
Wir singen gemeinsam die Strophen 2 und 3:
Musik: Gemeinde und Orgel: 2. u. 3. Strophe: Was euch heut niederwirft, / Schuld, Krankheit, Flut und Beben, / er, den ihr lieben dürft, / trug euer Kreuz ins Leben. / Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, / so glaubten wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.
Muss ich von hier nach dort / er hat den Weg erlitten. / Der Fluss reißt mich nicht fort, / seit Jesus ihn durchschritten. / Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, / so hofften wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.
Predigerin: Wir hören die Botschaft, ihre Melodie. Aber wissen wir, wie sie in unserem eigenen Leben klingen soll und was sie bewirken kann? Wie können sich diese Klänge, diese Botschaft von vor 2000 Jahren denn behaupten, wenn unser Schritt unsicher wird? Wenn wir nicht mehr weiterwissen? Wenn der Kummer, der unser Leben überfällt, stärker als alles andere zu sein scheint?
Das ist die Stärke dieses Liedes: es nimmt unsere Zweifel ernst. Ja es rechnet sogar damit, dass sie da sind. Schuld, Krankheit, Flut und Beben redet es nicht klein. Der Fluss ist ein reißender Fluss, der zu durchqueren ist. Da sind die Dinge, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen, uns taub und verzagt machen. Mit uns blickt das Lied immer wieder in den Abgrund: Hätte Gott keine Antwort auf den Tod, so glaubten wir umsonst, so kämpften wir umsonst, so hofften wir umsonst. Aber da ist sie wieder, die Melodie, die beharrlich dabei bleibt: Doch nun ist er erstanden! Nicht ohrenbetäubend, sondern die Ohren öffnend, das Herz suchend, verlockend. So verstehe ich das Lied, dass es im Zweifel zum Singen auffordert, und sei es noch so leise. Vielleicht erstmal nur ein zaghaftes Mitsummen.
Martin Luther hat einmal einen schönen Brief an einen jungen Organisten geschrieben, der von Schwermut und trüben Gedanken befallen war. Wie ein väterlicher Freund rät er dem Musiker:
Lektor: Darum, wenn ihr traurig seid, und es will überhand nehmen, so sprecht: Auf! ich muss unserem Herrn Christus ein Lied schlagen auf der Orgel es sei Te Deum oder Laudamus denn die Schrift lehret mich, er höre gern fröhlichen Gesang und Saitenspiel. Kommet der Teufel wieder und gibt Euch eine Sorge und traurige Gedanken ein, so wehret Euch frisch und sprecht: Aus, Teufel, ich muss jetzt meinem Herrn Christo singen und spielen. Also müsst Ihr Euch wahrlich wider ihn setzen lernen und nicht gestatten, wie sehr Gedanken er Euch mache. Denn wo Ihr einen einlasset und zuhöret, so treibet er wohl zehn Gedanken hintennach, bis er Euch übermanne. Darum nichts besser, denn flugs ihm sofort auf die Schnauze geschlagen.
Orgelmusik (1,15)
Predigerin: Es ist Ostern geworden! Dazu stiftet uns das Lied an, uns mitten in allem Zweifel und aller Traurigkeit zu dieser Botschaft zu flüchten. Im Zweifel: Singen! Dem Totentanz im eigenen Leben mutig begegnen mit Klängen, Worten, Stimmen, die Gott in diese Welt gebracht hat. Die Schatten hinter sich lassen, sich von Gott ins Helle ziehen lassen. Den ersten Schritt mit der neuen Melodie wagen, auch wenn es noch lange kein Tanzschritt ist.
Das lass ich mir nicht zweimal sagen. Das will ich immer wieder gesagt, gesungen bekommen. Ja, man soll es uns ruhig dreimal sagen, auch viermal, wie in diesem Lied. Solange, bis wir es schließlich selbst mitsingen können: Doch nun ist er erstanden! Erstanden. Erstanden. Erstanden!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Gemeinde: Amen.
Melodie eg 117 für Flöte und Orgel
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