Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.04.11, Pfarrer Rüdiger Schnurr

Josef von Arimathäa - Der Tod wird begraben

Heute wünsche ich Ihnen einen stillen Tag, liebe Hörerin und lieber Hörer. Heute ist Karsamstag.

Alle, die sich in dieser Woche den Leidensweg Jesu bis zum Karfreitag vor Augen gehalten haben, erinnert der heutige Tag an die Zeit, die Jesus im Grab gelegen hat. Schon als Kind habe ich die Stimmung dieses Tages als eigenartig empfunden und als Jugendlicher wusste ich nicht so recht etwas mit dem Tag und mit mir anzufangen.

Heute kann ich diesem Tag viel mehr abgewinnen. Nicht nur, weil ich mich schon sehr auf den Osternachtgottesdienst freue, sondern weil ich verstanden habe, dass Gottes Liebe auch bis in ein Grab reicht.

Dass Jesus in ein Grab gelegt wurde, ist ja schon der Aufmerksamkeit und der Liebes eines seiner Freunde zu verdanken. Nicht alle hatten im Hohen Rat für seinen Tod gestimmt. Josef von Arimathäa war einer von ihnen. Als Jesus am Kreuz gestorben war, fragt er bei Pilatus nach, ob er ihn begraben dürfe. Pilatus gibt ihm die Erlaubnis dazu. In sein eigenes Grab legt der Ratsherr den Leichnam Jesu hinein. Damit ist der fromme Josef von Arimathäa einerseits dem, was sein Glaube ihm geboten hat, nachgekommen. Jetzt konnte das wichtige Passahfest beginnen, das an die Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten erinnert. Zum anderen setzt Josef ein Zeichen seiner Liebe und Verehrung für den toten Freund.

Doch was diese Tat in ihrer letzten Tiefe bedeutete, das konnte er nicht ahnen. Er wusste nicht, dass mit dem Stein, der vor das Grab gerollt wurde, der Tod selbst einsperrt sein würde.

Das ist ja auch nicht leicht zu begreifen. Und doch  ist das, was nach der Grablegung Jesu geschieht, die Ursache für die Freude und die Hoffnung der Christen. Gott alleine ist jetzt an der Reihe. In der Stille und Dunkelheit des Grabes wird dem Tod seine Macht genommen. Er muss Jesus wieder hergeben. Jesus bleibt nicht im Grab, er steht von den Toten auf. Als erster von allen, die sterben. Das feiern wir morgen am Ostersonntag. Es ist unser höchstes Fest.

Gottes Liebe kann sich nicht damit abfinden, dass mit dem Tod alles zu Ende sein soll. Unser Leben ist ihm zu wichtig und zu wertvoll. Er kämpft um unser Leben, indem er sich mit dem Tod seines Sohnes Jesus auseinandersetzt. Seine Liebe zu ihm nimmt es mit dem Tod auf und besiegt ihn. Der bleibt zurück im Grab und das neue Leben kommt mit Jesus aus dem Grab ans Licht. Der Tod weiß jetzt schon, dass er einmal endgültig begraben sein wird. Der Schweizer Pfarrer und Dichter Kurt Marti hat das in einem Gedicht so ausgesagt:

Das leere Grab

Ein Grab greift
tiefer
als die Gräber
gruben

denn ungeheuer
ist der Vorsprung Tod

am tiefsten greift
das Grab das selbst
den Tod begrub

denn ungeheuer
ist der Vorsprung Leben    

           
Weil Jesus Christus auferstanden ist, feiern wir morgen wieder Ostern.  Jesus lebt nun nicht nur für sich - das hat er noch nie getan. Als er auf der Erde mit den Menschen zusammen gewesen ist, da hat er schon für sie gelebt. Jetzt erst recht, könnte man sagen. Jesus lebt für Sie. Das ist der beste Grund, warum Sie, liebe Hörerin und lieber Hörer, Ostern ganz bewusst mit großer Freude und Vergnügen feiern können. Gott will Ihr Leben bewahren.

Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen Pfarrer Rüdiger Schnurr aus Hilchenbach

Audiobeitrag Josef von Arimathäa - Der Tod wird begraben


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