Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.04.11, Pfarrer Rüdiger Schnurr

Der römishe Hauptmann - "Das ist Gottes Sohn gewesen!"

Heute denken die Christen an den Tod Jesu. Heute ist Karfreitag. Wie haben Sie, liebe Hörerin und lieber Hörer, diesen Tag für sich geplant?

Ist er für Sie der Start in ein verlängertes Wochenende? Besuchen Sie einen Gottesdienst? Noch wäre es dafür nicht zu spät. Was Sie heute vorhaben, hat wohl sehr viel mit dem zu tun, ob Ihnen der Glaube an Jesus wichtig ist – ob Sie Christ sind, oder sich zumindest für religiöse Fragen interessieren – oder ob sie mit Kirche wenig anfangen können. In den Berichten über die Kreuzigung Jesu können wir uns alle wiederfinden.

Als Jesus damals gekreuzigt wurde, lag das Kommando für die römischen Legionäre in der Hand eines Zenturio. An jenem Tag hatte er Dienst und musste einen Befehl ausführen. Man kann sich vorstellen, dass er und seine Soldaten das alles ziemlich ungerührt angingen. Es war Routine für sie.  Dass die Hinrichtung mit dem – aus seiner Sicht – merkwürdigen Glauben der Juden an  ihren Gott zu tun hatte, das hatte der Offizier mitbekommen. Die Unruhe im Volk war ja nicht zu überhören gewesen. Und noch unter dem Kreuz gaben die Ankläger dieses Jesus keine Ruhe. Sie verspotteten ihn: „Wenn er doch der Sohn Gottes ist, wie er gesagt hat, dann warten wir doch mal ab, ob Gott ihm nicht hilft.“ Doch dann starb Jesus und es geschahen Dinge, die dem Zenturio und seinen Soldaten, einen gewaltigen Schrecken einjagten. Der Evangelist Matthäus berichtet von einem Erdbeben und von Gestorbenen, die plötzlich den Lebenden erschienen. Das ging über das hinaus, was sie schon erlebt hatten. Hatte das doch etwas mit dem Gott der Juden zu tun? War das am Ende doch nicht gleichgültig? Der Zenturio fasste in Worte, was ihn und die anderen in dem Moment bewegte: „Das ist ganz gewiss Gottes Sohn gewesen.“

Damit fasste er zusammen, dass die Kreuzigung Jesu, von Beginn an etwas Besonderes gewesen ist. Da hatten die einflussreichen Landsleute von Jesus, die religiösen und politischen Führer die Anklage betrieben und den Statthalter des Kaisers dazu gebracht, das Todesurteil zu sprechen. Er war ihnen allen lästig geworden, er störte sie. Dabei hatte er niemals zum Aufruhr aufgerufen, er lehnte jede Form der Gewalt ab. Seine Worte bewegten die Menschen, aber es waren Worte, die mit Liebe zu Gott gefüllt waren, und den Menschen erzählte er, dass Gott voller Güte und Liebe für sie ist. Gott ist jetzt für uns da.

Das war zuviel für die Hüter der Religion: Gott bei den Menschen? So nah? Da verband sich die Angst vor einem Aufruhr im Volk mit der Sorge, dass ihre festgelegten, berechenbaren Glaubenstraditionen erschüttert werden könnten. Mit dem Tod Jesu wäre alles wieder im Lot. Die Leute, die ihm begeistert nachgelaufen waren, die würden sich bald fügen und beruhigen.

Aber es kam alles anders, als es sich die Menschen gedacht hatten. In allem, was sie betrieben hatten, um Jesus aus dem Weg zu räumen, hatten sie nicht denken können, dass Jesus konsequent seinen Weg mit Gott bis in den Tod gehen würde. Auch vor dem Tod, auch in der Verlorenheit, auch da, wo die Gewalt herrscht und das böse Tun sich so grausam zeigt, gerade da gab Jesus das letzte Zeichen seiner Liebe. Er starb für uns.

Alles sah so aus, als ob Gott den Gang der Ereignisse den Menschen überlassen hatte, da bringt ein römischer Soldat, ein Heide, es auf den Punkt: Hier ist Gottes Sohn gestorben. Hier ist Gott dabei. Nie werde ich es vollständig ergründen, warum es das Kreuz und so ein grausamer Tod sein musste. Ich kann nur immer wieder staunen über die Größe der Liebe Jesu. Bis in den Tod reicht sie.
 
„So hat es Gott gefallen,
so gibt er sich uns allen.
Das Ja erscheint im Nein,
Der Sieg im Unterliegen,
der Segen im versiegen,
die Liebe will verborgen sein.“

Gott segne Sie an diesem besonderen Tag. Dass wünscht Ihnen Pfarrer Rüdiger Schnurr aus Hilchenbach.

Audiobeitrag Der römishe Hauptmann - "Das ist Gottes Sohn gewesen!"


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