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Simon von Kyrene - tragfähig werden
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer. Es gibt Zeiten, in denen einem alles zuviel wird, in denen dann die Kraft nicht mehr ausreicht.
Da ist die Mutter, die sich entschieden hatte für ihre Kinder den Beruf aufzugeben. In den ersten Jahren hatte das ganz gut geklappt. Sie war zufrieden und merkte, das tut den Kindern gut. Drei Kinder hat sie inzwischen und mittlerweile einen gesundheitlich angeschlagenen Mann, der nicht mehr die volle Stundenzahl arbeiten kann. Das Geld reicht nicht. Sie muss mitverdienen, denn die Kinder sind alle noch in der Schule oder in der Ausbildung. Sie hatten alles im Kreis der Familie besprochen. Aufgaben waren verteilt worden. Alle hatten versprochen mitzuhelfen. Doch Versprechen sind das eine, sie auch halten das andere. Bald, sehr bald schon lief alles wie gehabt, mit einem Unterschied: jetzt musste die Mutter neben dem Haushalt auch noch ihren Beruf schaffen. Hatte sie anfangs noch ihren Mann und die Kinder an ihre Versprechen erinnert, zuerst sanft, dann energischer und schließlich immer heftiger und mit Tränen, so hat sie schließlich resigniert. Es geht nicht mehr lange so weiter. Sie ist am Ende. Der, der es zuerst merkt, ist ihr Sohn, auf einmal fällt ihm eines Morgens beim Frühstück auf, dass die Mutter schon lange nicht mehr laut gelacht hat. Er war immer der Lustigste in der Familie, hatte immer einen Witz auf Lager, mit dem er alle, vor allem die Mutter, zum Lachen brachte. Du bist wie ich früher war, hatte sie oft gesagt, ich konnte mir auch jeden Witz merken und habe immer alle zum Lachen gebracht. An diesem Morgen hat die Mutter nur ziemlich gequält dreingeschaut. Kurz darauf, als die Mutter das Haus verlassen hat, spricht er seinen Vater darauf an. Ach, die ist stark, war sie schon immer, die ist gesünder als ich je gewesen bin, sagt er und sein Sohn spürt, wie sich der Vater hinter seinem Selbstmitleid verschanzt. Ob er lieber mit seinen beiden Schwestern reden soll? Für sich hat er schon entschieden, es muss sich was ändern, er weiß nur noch nicht recht, wie er die anderen überzeugen kann, anzupacken.
Da hatte es das Hinrichtungskommando damals in Jerusalem einfacher. Sie griffen sich einfach den erstbesten Mann aus der Menge, der ihnen kräftig genug erschien, anzupacken. Jesus, den sie aus der Stadt hinausführten und zu der Hinrichtungsstätte hinauftrieben, war nämlich zusammengebrochen. Sie fackelten nicht lange und zwangen ihn, Jesus das Kreuz zu tragen. Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas erzählen davon. Es ist bei allen nur ein einziger Vers. Aber anscheinend ist ihnen das so wichtig gewesen, dass sie sogar den Namen des Kreuzträgers nennen: Simon von Kyrene. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Simon seine Geschichte später noch oft erzählt hat. Wie er Nichts ahnend von der Feldarbeit auf dem Heimweg ist und eher wie zufällig in den Strom der Ereignisse gerät. Da war das große Fest, auf das er sich wie alle anderen freute, und plötzlich packt ein römischer Legionär zu und zwingt ihn, sich das Kreuz Jesu aufzuladen. Das Fest konnte er vergessen, er galt jetzt als unrein. Doch eins ist wohl sicher: Unter den Christen erzählte man sich seine Geschichte weiter: Simon hat dem Herrn das Kreuz getragen. Es hat ihm bestimmt nicht gefallen, er hat wohl auch protestiert und sich maßlos geärgert. Aber später wird er gemerkt haben, wie wichtig das war. Für Jesus und für ihn. Er hat sich zu den Christen gehalten. Wir wissen, dass seine beiden Söhne in der jungen Kirche bekannt waren.
Simon ist für mich, liebe Hörerin und lieber Hörer, ein lebendiges Beispiel, dass auch Zumutungen ertragen werden können. Simon von Kyrene hat wohl selbst nicht erwartet, dass er dazu fähig war, dem Sohn Gottes das Kreuz zu tragen. Er ist tragfähig geworden. Er hat sich das nicht ausgesucht, aber er hat die Kraft zum Tragen bekommen. Ich schätze auch über den Tag in Jerusalem hinaus. Denn das ist eine Erfahrung, die die Christen machen, seit sie wissen, dass Jesus auferstanden ist. Seine Kraft ist bei ihnen, auch wenn sie sich schwach vorkommen. Jesus, der für sie gestorben und auferstanden ist, macht sie tragfähig, von Tag zu Tag, darum beten viele von ihnen:
Gib mir Kraft für diesen Tag! Herr, ich bitte Dich nur für diesen, dass mir werde zugewiesen, was ich heute brauchen mag.
Vielleicht hilft ihnen dieses Gebet heute auch, und sie freuen sich auf das, was vor ihnen liegt. Ich grüße Sie aus Hilchenbach, Ihr Pfarrer Rüdiger Schnurr.
Simon von Kyrene - tragfähig werden
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