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Bar Abbas - Frieden ist nahe
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer. Stellen Sie sich diese Szene vor: Da sitzt einer in der Ecke seiner dunklen Zelle und wartet.
Wartet auf den Tag, an dem ihm der Prozess gemacht wird. Das Urteil kennt er schon: Tod am Kreuz. Nein, es ist nicht Jesus von Nazareth, obwohl jener Gefangene auch Jesus heißt. Sein vollständiger Name ist Jesus Bar Abbas. Er ist berüchtigt für seine Untaten. Ein Mörder, vielleicht auch ein Terrorist, der gegen die Römer gekämpft hat.
Und nun wartet er. Da nähern sich Schritte und die Wachsoldaten kommen und holen ihn aus seinem Verlies. Jetzt ist es also soweit. Jesus Bar Abbas bereitet sich auf sein Ende vor. Er wird in den Hof der Burg Antonia geführt, wo gerade eine hitzige Auseinandersetzung zwischen dem römischen Statthalter Pontius Pilatus und einer großen, aufgestachelten Menschenmenge im Gange ist. Neben Pilatus steht ein weiterer Gefangener: Jesus von Nazareth. Der Statthalter windet sich, er will ihn freigeben, denn er hat in seinen Augen nichts Schlimmes getan. Dagegen der andere Jesus, mit dem Beinamen Bar Abbas. Das ist der Schlimme, der Verbrecher. Pilatus hat sich an den Brauch erinnert. Zum Passahfest ist immer eine Good-will-Aktion üblich. Ein Gefangener wird freigelassen. Er ist sich sicher: Sie können nicht anders, als um die Freigabe des friedlichen, sanften Jesus von Nazareth zu bitten. Und so fragt er: Wen soll ich euch freilassen? Und da schallt die Antwort zurück: Bar Abbas! - Und Jesus von Nazareth? - Lass ihn kreuzigen, schreien sie alle. Und Pilatus lässt ihnen ihren Willen. Der Verbrecher kommt frei, der Unschuldige wird an seiner Stelle verurteilt.
Wir erfahren nichts weiter über Jesus Bar Abbas. Doch dass ihm, dem berüchtigten Mörder, unverhofft die Freiheit geschenkt wird, bringt es auf den Punkt: Seine Freiheit hat er nicht durch einen gewaltsamen Terroranschlag gegen die verhassten Römer erreicht, frei wird er, weil der, der immer sanft und barmherzig gewesen ist, der zum Frieden aufgerufen und jede Gewalt verabscheut hat, seinen Platz einnimmt. Jesus wird gekreuzigt. Jesus stiftet Frieden. Ob Bar Abbas seine wiedergewonnene Freiheit zum Frieden genutzt hat? Wir wissen es nicht.
Doch wir erkennen an seiner Geschichte, dass der Weg, den Jesus für uns geht, der Weg ist, der uns Frieden bringt. Jesus bricht mit seinem Leiden und Sterben am Kreuz eine Bahn für alle, die seinem Beispiel folgen wollen. Glücklich sind die, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder genannt, hat er einmal gesagt. Gott wird der Vater aller sein, die den Frieden lieben.
Bar Abbas bedeutet auch Sohn des Vaters. Er hatte sich aber für den Weg der Gewalt entschieden. Aber was er erreichen wollte, hat er damit nicht bekommen. Im Gegenteil, um ein Haar wäre er Opfer seiner Verbrechen geworden. Doch dann steht neben ihm der wahre Sohn des Vaters, sanftmütig, demütig, friedfertig, aber nicht gezwungen, sondern bewusst und mit Willen nimmt er das Leiden und den Tod an. Gott ist bei ihm und führt ihn wieder zum Leben. Ist das nicht eine hoffnungsvolle Nachricht, die seitdem unter den Menschen verbreitet wird? Der Weg Jesu ist beispielhaft und verheißungsvoll. Aber wir gehen ihn so oft nicht. Aber wir können Gott bitten, dass er uns auf dem Weg des Friedens führt. Z.B. mit den Worten eines Liedes aus den Niederlanden:
Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt! Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen, dafür, dass Friede siegt.
Dass Sie im Frieden Gottes leben können, wünsche ich Ihnen. Ihr Pfarrer Rüdiger Schnurr aus Hilchenbach.
Bar Abbas - Frieden ist nahe
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