Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.04.11, Pfarrer Rüdiger Schnurr

Petrus - Treue trägt

Am Beginn der Karwoche wünsche ich Ihnen, liebe Hörerin und lieber Hörer, in besonderer Weise Gottes Segen.

Vielleicht sind Ihre Gedanken  ja schon längst auf die kommenden Ostertage gerichtet. Sie freuen sich auf die freie Zeit und planen – bei hoffentlich schönem und warmem Frühlingswetter – Ausflüge in die Natur oder Besuche bei Verwandten und Freunden. Möglicherweise genießen Sie auch schon die ersten Ferientage und haben alles andere im Sinn als an die Tage des Leidens und Sterbens von Jesus erinnert zu werden.

Ich möchte Ihnen in dieser Woche noch ein paar Gründe nennen, warum Sie sich wirklich in dieser Zeit die Freude über die Ostertage gönnen dürfen.

Viele Christen lesen täglich einen Abschnitt aus der Bibel. Heute können sie die Geschichte von Petrus gelesen, wie er dreimal auf seine Freundschaft zu Jesus angesprochen wurde. Und jedes Mal wehrt er sich und sagt: Ich weiß nicht, wovon du sprichst. Ich kenne den Menschen gar nicht. Und als er das dritte Mal leugnet, Jesus zu kennen, da kräht ein Hahn.

Diese Geschichte erschreckt mich – obwohl ich sie doch jedes Jahr aufs Neue lese – immer noch,  denn ich spüre, dass sie uns einen Spiegel vorhält. Jesus war für Petrus ja nicht irgendeiner. Sie hatten sich nicht zufällig getroffen und Bekanntschaft geschlossen. Jesus und Petrus – die beiden verband eine ganz feste und vertraute Freundschaft. Durch dick und dünn wollte Petrus für Jesus gehen. Und das meinte er todernst – So hat er einmal gesagt: „Und wenn ich mit dir sterben müsste, ich stehe zu dir, ich werde dich nicht verleugnen.“ Und dann das: Nur ein paar Stunden später sind alle Treueschwüre nichts mehr wert. Doch ich will über Petrus nicht den Stab brechen. Er war ja mutig, als er Jesus heimlich zum Verhör folgte. Aber als er entdeckt wurde, bekam er  Angst. Ich kann ihn verstehen.

Schon aus viel geringeren Gründen werden Menschen einander untreu, lässt einer den anderen im Stich. Wer hat sich noch nicht gefühlt, als ob er im Regen steht, verlassen, verraten, verkauft? Wer hat sich noch nicht geschämt, wieder einmal viel zu feige gewesen zu ein, als er einem anderen hätte hilfreich beistehen können, als alle auf ihm herumhackten? Wir sind oft so mutlos. Oder die  persönliche Bequemlichkeit ist uns einmal mehr  wichtiger gewesen als das Wohlergehen eines Schwächeren. Wenn wir nicht ganz und gar gefühllos sind, dann nagt das an uns.  Und erst recht sind es die großen und schlimmen Erfahrungen von Verrat an unseren Allernächsten, die  auf unsre Treue gesetzt haben, durch die wir des Lebens nicht mehr froh werden. Wir sind uns am Ende selbst zuwider.

Mir geht das Ende der Geschichte von der Verleugnung des Petrus immer sehr nahe. Dort heißt es: Er ging hinaus und weinte bitterlich. Er war ja kein schlechter, kein böser Mensch. Er war ein Mensch, wie man ihn eigentlich gerne hat. Er hat was von einem Draufgänger, und ist doch zugleich ein verletzlicher Mensch. Petrus ist nicht perfekt. Ich bin es auch nicht. Und Sie, liebe Hörerin und lieber Hörer, ebenfalls  nicht.

Und deshalb gehören wir zusammen mit Petrus in die Leidensgeschichte Jesu mit hinein. Und das ist gut so. Denn Jesus geht den Weg des Leidens für uns. Gerade für die, die manchmal an sich selbst so vieles zu kritisieren haben, die sich schämen, weil sie eben nicht so sind, wie sie gerne sein würden, und gerade für die, die sich selbst nicht leiden können, geht er den Weg, auf dem ihn einer seiner besten Freunde im Stich lässt. Jesus wird Petrus, wenn alles Schlimme vorbei ist, wieder zu sich holen. In einem neuen Lied heißt es:

„Du bleibst an meiner Seite, du schämst dich nicht für mich,
du weißt, ich bin untreu, und dennoch gehst du nicht,          
Du stehst zu unsrer Freundschaft. Obwohl ich schwierig bin,
hältst du mir die Treue, gehst mit mir durch dick und dünn.

Das ist ein Grund, liebe Hörerin und lieber Hörer, warum Sie sich in diesen Tagen auf Ostern richtig freuen dürfen. Mit Ihnen freue ich mich auch. Ihr Pfarrer Rüdiger Schnurr aus Hilchenbach.

Audiobeitrag Petrus - Treue trägt


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