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Auferstehung - Rebellion pur
Sprecher: Ich, Jesus von Nazareth, war nie König über ein Volk, weil ich nie herrschen wollte. Ich verabscheue Regierungen und Truppen, Geheimdienste,
Folterer und Gefängnisse. Ich, geboren in Armut und verendet in Hochmut, werde euch nackt erscheinen, nur mit einem Lendentuch geschützt vor euren aufgerissenen Augen. Wahrlich, ich sage euch, ihr werdet das fürchten lernen, wenn ich auferstehe. Und ich auferstehe immer, so oft es mir nötig erscheint.
Autor: Diese Worte legt der deutsch-iranische Dichter SAID Jesus in den Mund. Jesus, beschrieben aus der Sicht eines Persers, gefühlt und gesprochen aus dem Herzen eines Muslims. Ungewöhnlich und aufrüttelnd, provozierend. Der Mann, der sich SAID nennt, wurde 1947 in Teheran geboren. 1965 kam er siebzehnjährig als Student nach München, studierte Politikwissenschaft. Nach dem Sturz des Schahs ging er kurzzeitig zurück in den Iran, sah aber keine Möglichkeit des Lebens in der entstehenden Theokratie der Mullahs. Er lebt im deutschen Exil, ist deutscher Staatsbürger und schreibt seine Lyrik und Prosa in deutscher Sprache, die er in all ihren Nuancen beherrscht und als seine Behausung begreift.
Sprecher: Ich, Jesus von Nazareth, brauche keine Flügel und keinen Jünger. Ich erreiche euch auch so. Dann schaffe ich die Raster ab: eure Kardinäle, Bischöfe, Priester und sonstige Mitesser an meiner Seele. Und abermals werde ich die Geldwechsler aus den Tempeln jagen, aus allen Tempeln ungeachtet der Religionen. Ich komme barfuss und benötige kein Gehäuse. Und deswegen knie ich vor niemandem und will niemanden vor mir knien sehen.
Autor: Für den Muslim SAID, der in seinen Texten für Freiheit und Toleranz eintritt, macht die Figur des Mannes aus Nazareth, den seine Zeitgenossen den Christus, den Retter Gottes nannten, nur dann Sinn, wenn er herunterkommt von seinem Kreuz und in die Welt eintritt.
Sprecher: Ich auferstehe und zertrümmere eure heiligen Kartenhäuser, eure Bigotterien. Diese werden den Sturm meines Glaubens nicht überstehen. Ich werde der Schutzengel der Liebenden sein, ohne Rücksicht auf eure Scheinheiligkeit. Denn ich bin gekommen, um eine neue Liebe zu verkünden hier auf Erden. Mit Hungernden und Spatzen zusammen, mit Huren und Gauklern, mit Bettlern und Kranken werde ich dann beten für euch und dafür, dass die neue Welt eure Mittelmäßigkeit übersteht.
Autor: SAIDS Texte sind mal poetisch, mal Bekenntnisse, mal Meditationsvorlagen. Der Dichter tritt Gott auf gleicher Augenhöhe entgegen: fordernd und nachdenklich, skeptisch im Hier und Jetzt verankert. Said will die Person und die Botschaft des Mannes aus Nazareth nicht an ein Kreuz genagelt sehent.
Sprecher: Ihr habt mich auf dieses Podest gehoben, um mich meiner subversiven Kraft zu berauben. Doch ich auferstehe und widerspreche euch. Dieses Mal lasse ich es nicht zu, dass ihr mich wieder an das Kreuz schlagt, nur weil mein Antlitz allein eure Augen blendet.
Autor: Said ist sich sicher: er wird die Wechsler noch einmal aus dem Tempel treiben vor allem in der kirchlichen Welt. Für SAID ist Jesus ein Gewittertragender, im Gegensatz zu den Kirchen, denen er eine gesellschaftlich beruhigende Aspirin-Funktion attestiert. Für ihn ist Jesus gekommen, die Menschen zu erregen. Rebellion pur. Aber immer verbunden mit dem Kern der Botschaft: Liebe. Nicht Hass, nicht Rache.Liebe Was wollen wir mehr?
Auferstehung - Rebellion pur
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