Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.04.11, Pfarrer Matthias Köhler

African Angel

: Harriet Bruce-Annan aus Düsseldorf hat einen Traum, der sie seit ihrer Kindheit in Atem hält: Kindern zu Bildung und Ausbildung zu verhelfen.

Alles begann einmal in Afrika. Genauer gesagt in Bukom-Accra, der Hauptstadt Ghanas. Mit dem großen Traum des kleinen Mädchens Harriet.

Sprecherin: „“Wenn ich als Kleinkind meine Großmuter in dem Armenviertel Bukom besuchte, dann sah ich all die armen, halbnackten und chancenlosen Kinder. Wenn ich etwas gegessen habe, haben sie mir mit großen Augen zugeschaut. Ihr Elend war so groß. Es brannte sich tief in meine Seele.“

Autor: Sie schwor sich den Kinder zu helfen, sobald sie dazu in der Lage wäre. 1990 folgte Harriet Bruce-Annan ihrem Mann, der beim britischen Militär arbeitete nach Deutschland, wollte sich als Systemanalytikerin fortbilden. Es kam anders. Die Ehe zerbrach an häuslicher Gewalt, Harriet Bruce-Annan flüchtete sich in ein Frauenhaus. Ohne familiäre Unterstützung, ohne Geld musste sie in einem fremden Land von neuem beginnen. Sie begann als Putzkraft bei der Düsseldorfer Messe, jobbte zusätzlich nachts als Toilettenfrau in Düsseldorfs Kneipen.

Sprecherin: „Oft stand ich kurz vor der Entlassung, weil ich die Anweisungen nicht verstand. Auf eigene Kosten habe ich dann einen Sprachkurs gemacht. Damals hatte ich nur die Wahl: essen oder lernen. Ich habe mich fürs Lernen entschieden.“

Autor: Die junge Frau hatte keinen leichten Start in Deutschland. Dennoch konnte sie die Eindrücke ihrer Kindheit nicht vergessen.

Sprecherin: „Damals – als Kind – konnte ich nichts tun. Jetzt – in Deutschland – musste ich etwas tun.

Autor: Ihr großer Traum: Eine Schule für die Kinder des Armenviertels ihrer Heimatstadt. Bildung als Lebenschance. Ihr Finanzierungskonzept: Toilettengroschen.

Sprecherin: Abend für Abend habe ich das Trinkgeld auf meinem Tellerchen gezählt, die kleinen Münzen gesammelt und sie nach Ghana geschickt, damit die Kinder in Bukom  zur Schule gehen konnten.

Autor: Die Kneipenbesucher geben der ungewöhnlichen Toilettenfrau einen Spitznamen: African Angel – afrikanischer Engel. Der Spitzname wird 2002 zum Namen ihres Hilfsvereins. African Angel betreut derzeit mit 14 Angestellten 57 Kinder. Die Kinder wohnen im vereinseigenen Haus in Accra und besuchen die lokalen Schulen. Mit Erfolg: einige Ihrer Schützlinge haben bereits etliche Klassen übersprungen, berichtet sie stolz.

Sprecherin: „Manche Menschen sagen: Deine Cents sind doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das stimmt natürlich. Aber jeder Mensch kommt nackt auf die Welt und verlässt sie nackt. In der Zwischenzeit kommt es aber darauf an, was er oder sie dazu beitragen kann, dass diese Welt ein kleines bisschen besser wird.“

Autor: Harriet Bruce-Annan hat noch viel vor, will unter anderem eine Universität für die Kinder „ihres“ Armenviertels bauen. Ihre schier unerschöpfliche Kraft zum Einsatz für andere, zieht sie aus ihrem christlichen Glauben:

Sprecherin: „African Angel haben sie mich genant. Aber ich bin kein Engel. Ich bin ein Mensch. Und als Mensch und als Christin bin ich mitverantwortlich dafür, wie es in der Welt aussieht. Diese Überzeugung ist mein Wegweiser und die Bibel meine Betriebsanleitung. Das Wort Gottes – und „meine“ Kinder – haben mir in meiner Verzweiflung den Glauben an das Leben und meine Fröhlichkeit zurückgegeben. Dafür bin ich „meinen“ Kindern und meinem Gott sehr, sehr dankbar.“

(Quelle: Public Forum 5, 11.3.2011, S.17)

Audiobeitrag African Angel


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen