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Gläubig und gutgläubig
Bist du eigentlich wirklich gläubig? fragte mich kürzlich eine Freundin ungläubig.
Dass jemand heute noch an Gott glaubt, kriegt in einer Welt voller Technik, Physik und Stammzellenforschung immer mehr was Exotisches.
Da fällt mir dieser Tage ein Stück Papier in die Hand, in dem es unter anderem heißt: Mit der Entstehung eines Brandes muss nach ständiger Rechtsprechung praktisch jederzeit gerechnet werden. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausgebrochen ist, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt lediglich einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit zu rechnen ist.
Das steht in der nordrhein-westfälischen Brandschutzverordnung. Dass es nicht brennt, dass unsere Kernkraftwerke nicht explodieren, dass der Euro stabil bleibt, dass nicht mehr Zugunglücke passieren, stellt, logisch betrachtet, ebenfalls bloß einen Glücksfall dar. Allerdings wimmelt es bei uns von Leuten, die die Atomkraft, die Währung und die Bahn für sicher halten. Das ist nicht nur gläubig. Das ist sogar gutgläubig.
Der Glaube dagegen glaubt bloß, dass in dieser Welt nicht nur Machthaber und Lautsprecher herrschen, sondern Gott am Werk ist. Und dass wir deshalb nicht nur sogenannte Restrisiken berechnen dürfen, sondern immer auch grundsätzlich fragen müssen: Was heißt es, mit Gottes Geschöpfen verantwortlich umzugehen. Das allerdings macht den Glauben immer ein biss-chen misstrauisch gegenüber allem anderen, was wir von morgens bis abends so glauben und für richtig halten sollen.
Sprecherin: Alexa Christ
Gläubig und gutgläubig
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