Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.04.11, Stephan Kiepe-Fahrenholz

Ey Oma

„Ey Oma“, schnauzte einer der beiden Jungs bei Aldi, „wenn es sein muss, kannst du ganz schön schnell sein, was?“

Sein Kumpel grinste und setzte noch einen drauf: „Das sind die, die wir noch jahrelang durchfüttern dürfen.“

Die beiden waren sauer. Sie waren, in jeder Hand eine Tüte Chips und eine Cola, zur Kasse geschlendert. Ohne Eile, lautstark miteinander redend. Die ältere Dame hatte den Einkaufs-wagen bis zum Rand vollgepackt, hatte die Jungs geschickt von links hinten geschnitten und war so gerade eben noch vor ihnen am Warenband gelandet. Jetzt drückte sie das Kreuz durch, drehte sich um und sagte spitz: „Von Respekt vor dem Alter habt ihr wohl noch nichts gehört.“

Zugegeben: Ältere Leute können ganz schön lästig und ziemlich egoistisch sein. Jüngeren geht das schnell auf den Geist. Dabei übersieht man leicht, dass die Alten immer sowas wie eine Lebensleistung hinter sich haben. Sie haben ihre Kinder großgezogen, und oft noch die Enkel hinterher, wenn sich deren Papi frühzeitig dünne gemacht hatte. Sie haben sich ein-gesetzt im Betriebsrat, im Verein, in Bürgerinitiativen. Sie haben auf ihre alten Tage noch gelernt, Computer zu bedienen und mit Menschen aus aller Herren Länder zusammenzuleben.

Die Alten hinterlassen den Jungen nicht nur ungelöste Probleme. Sie haben auch die Gerüste gebaut, auf denen die Jungen stehen. Das Alter zu ehren ist deshalb eine Forderung, die sich zum Beispiel quer durch alle Religionen zieht. Und das hat seinen guten Grund.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Ey Oma


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