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Tolu und die Schummelei
Tolu ist sauer. Er hockt in seinem Zimmer und versucht wieder einmal die Erwachsenen zu verstehen. Erwachsene, das sind in diesem Fall mal wieder seine Eltern.
Tolu ist 10 Jahre alt und hieß eigentlich Tom-Lukas. Aber diesen Namen hat er nie gemocht. Mit großer Hartnäckigkeit ist es ihm gelungen, dass ihn auch bald keiner mehr so nannte. Er heißt Tolu und basta. Selbst seine Eltern haben das mittlerweile kapiert.
Also: Tolu sitzt in seinem Zimmer. Er soll eine Strafarbeit machen. Übungsarbeit nannte es sein Lehrer. Für Tolu ist es Strafarbeit. Gut, er war beim Pfuschen erwischt worden. Für den Mathetest hatte er sich nicht vorbereitet gehabt. Er hasst Mathe. Leon, sein Banknachbar und bester Freund ist gut in Mathe. Mit ihm hatte er einen Deal verabredet. Er dürfe abschreiben. Ein Euro war der Preis. Leider hatte es nicht geklappt. Er wurde erwischt, der Euro war futsch und es gab ein Telefonat des Lehrers mit seinem Vater. Aber deswegen ist Tolu nicht sauer. Eher wegen der anderen Geschichte von vorhin.
Er war von seinem Vater ins Wohnzimmer gerufen worden.Da hat er schon geahnt, wies werden würde. Und er hat Recht behalten. Mein Gott, wie hat sich der Vater aufgespielt! Gott sei Dank war seine Mutter dabei, die hat manchmal eingegriffen, wenns zu laut wurde.
Was er für einen Sohn hätte, hat sein Vater ihn angeschnauzt. Man müsse sich ja schämen. Ein Anruf von der Schule. Er sei ein Pfuscher, Betrüger. Was er sich dabei gedacht habe. Hätte er denn gar nichts gelernt? Hätten sie (und damit meinte er natürlich seine Mutter mit) hätten sie ihm denn nicht beigebracht was wichtig ist im Leben: Anstand, Fleiß, Ehrlichkeit- ja vor allem Ehrlichkeit. Und nun das. Sein Sohn ein Betrüger.
Mein Gott hat Tolu gedacht: es geht doch bloß um mal abschreiben bei einem Mathetest. Was soll dieser Aufstand. Aber das weiß er ja schon, bei seinem Vater wird alles immer gleich so grundsätzlich. Mutter hat dann die Aufregung ein wenig gedämpft. Aber auch sie hat ihn mit diesem besonderen traurigen Blick angeschaut. Den hat sie immer drauf, wenn es darum geht, ihm so ein richtig schlechtes Gewissen zu machen.
Gut, er hat ja irgendwie auch alles eingesehen. Er hatte geschummelt, und Betrug ist Betrug, auch wenn er dabei aufgefallen ist und also gar keinen Gewinn davon hatte. So gesehen war es fast besser, dass er aufgeflogen ist. Ein vollendeter Betrug, der sich auch noch gelohnt hätte, das wäre schon wirklich was für ein schlechtes Gewissen geworden. Aber andererseits, ist nicht schon der Vorsatz, betrügen zu wollen, genauso schlimm, wie dann wirklich zu betrügen?
All diese Gedanken gingen Tolu durch den Kopf, während sein Vater noch rumtobte und die Mutter den berüchtigt traurigen Blick drauf hatte. Schließlich musste er seine Mathesachen aus seinem Zimmer holen, sich ins Wohnzimmer an den Tisch zu seinen Eltern setzen und unter deren Augen die so genannte Übungsarbeit machen.
Tja und dann passierte das, was Tolu immer noch nachdenklich macht, seit er wieder in sein Zimmer durfte. Vater nahm den Brief vom Finanzamt zur Hand, der da rumlag, las den Steuerbescheid durch, fing an zu lachen und sagte zu seiner Frau gewandt: He Petra, klasse was? Die Typen vom Finanzamt hab ich wieder ausgetrickst. Arbeitszimmer wieder anerkannt, obwohl ich gar keins hab, und auch die zusätzlichen Kilometer, die ich für die Fahrten zum Büro draufgeschlagen hab, das hat auch keiner nachgeprüft. Na, für die gesparten Euro werden wir uns was gönnen. Was?
Und Petra, Tolus Mutter strahlte ihren Mann an, wie einen kleinen Helden. Tolu war leise aufgestanden und in sein Zimmer gegangen. Und wie gesagt, ziemlich sauer. Weil er schon wieder einmal die Erwachsenen nicht verstand.
In der Bibel steht: Eure Rede sei ja, ja, nein, nein. Was darüber ist, ist von Übel.
Einen gesegneten Sonntag mit eindeutigen Reden und eindeutigem Handeln wünscht Ihnen ihr Pfr. Gerd Höft aus Düsseldorf.
Tolu und die Schummelei
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